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Bonner Geschichte

Aus Bonn.wiki
Bronzemodell des Legionslagers im heutigen Bonn-Castell

Bonn blickt auf eine mehr als 2000-jährige Geschichte zurück, wobei die ältesten mensch­li­chen Spu­ren im heu­ti­gen Bon­ner Stadt­ge­biet sogar in die Alt­stein­zeit da­tiert werden können. Steinzeitliche Werkzeuge und das Doppelgrab von Oberkassel, römische Legionäre und der Niedergermanische Limes, das mittelalterliche Cassius-Stift und die kurfürstliche Residenz, die napoleonische Rheinland-Besetzung und die königliche Universitätsstadt unter Preußen - schon wenige Stichworte zeigen die wechselvolle Geschichte der Stadt auf.

Ausstellungsstücke aus der Römerzeit an der Präsentationsfläche Didinkirica

Mit der Nie­der­la­ge der im Bon­ner Raum an­säs­si­gen Ger­ma­nen vom Stamm der Ebu­ro­nen im Jahr 54 v. Chr. gegen die Römer be­ginnt die lo­ka­le Ge­schich­te greif­bar zu wer­den. Das Römerlager „Castra Bonnensia“ im heutigen Stadtteil Bonn-Castell entstand etwa 40 nach Christus und war eines der größten Legionslager im Römischen Reich. Zugleich ist es einer von insgesamt 44 archäologischen Fundplätzen in den Niederlanden und Deutschland, die die UNESCO-Welterbestätte „Grenzen des Römischen Reiches – Niedergermanischer Limes“ bilden. Besiedelt wurde es zwischen dem ersten und fünften Jahrhundert nach Christus durch verschiedene Truppen des Römischen Reiches. Das Lagerzentrum befand sich im heutigen Stadtgebiet im Bereich der Kreuzung Römerstraße (ehemals via principalis) und Nordstraße/ Badener Straße (letztere: ehemals via praetoria). Weiter südlich, bis ins spätere Regierungsviertel hinein, entstand eine Zivilsiedlung (Vicus Bonnensis).

Ein wesentlicher Bestandteil der frühmittelalterlichen Geschichte ist dann der Übergang von der römischen Antike zum Fränkischen Reich. Um das Jahr 475 besiedelten Franken das Gebiet. Sie siedelten sich zunächst im alten römischen Legionslager an, das jetzt als „ca­s­trum Bon­na" (Bonn­burg) bezeichnet wurde. Die Bonnburg wurde Teil eines fränkischen Reichs beiderseits des Rheins.

Bonner Münster - Kreuzgang. - Foto: Hans-Dieter Weber.
Bonner Münster

Ab dem 7. Jahrhundert entstand ein geistliches Stift rund um das heutige Bonner Münster. Dank zahlreicher Grabungsfunde kann die Vorgeschichte des Münsters sogar bis in vorchristliche, römische Zeiten lückenlos nachgewiesen werden. Eine spätantike Totengedenkstätte am Ort (Cella memoriae) wird auf die Zeit um 300 datiert. Bereits ab 400 entstand eine kleine Kapelle, das älteste Zeugnis christlichen Glaubens in Bonn. Dort, wo sich in spätantiker Zeit noch die römische Totengedenkstätte befunden hatte, war in merowingischer Zeit, Mitte des 6. Jahrhunderts, zudem ein Saalbau errichtet worden.

An dieser Stelle entwickelte sich ein Kloster und sodann das Cassiusstift, das über elf Jahrhundete bestand und sich besonders unter Gerhard von Are zu einem bedeutenden Grundherren in der Region entwickelte. Auf ihn geht auch der Bau des Bonner Münsters zurück. Das heutige Gotteshaus war, als es vom 11. bis 13. Jahrhundert errichtet wurde, die erste Großkirche im Rheinland. Sie wurde - zunächst als dreischiffige Kreuzbasilika - vollendet, als in Köln erst der Grundstein zum Dom gelegt wurde. Romanik und Gotik, beide Baustile wurden hier elegant miteinander verbunden.

Ab dem Jahr 1140 wurde ein Erweiterungsbau unter Probst Gerhard von Are errichtet, der 1153 eingeweiht werden konnte. Er ließ den Kirchbau durch einen von zwei Flankentürmen begleiteten Ostchor erweitern und an der Südseite der Kirche einen Kreuzgang errichten. Die mit einer Zwerggalerie abschließende dreigeschossige Apsis (Rheinischer Etagenchor) erhielt eine besonders differenzierte Gestaltung. Mit der nächsten Bauphase im 13. Jahrhundert entstand der Neuaufbau des Langhauses mit einer Verbreiterung der Seitenschiffe sowie die Umgestaltung der Westapsis, weiterhin das gotische Portal zum Münsterplatz hin sowie das Pyramidendach des Vierungsturms.

Am Alten Zoll in Bonn

Im 13. Jahrhundert erhielt Bonn Stadtrechte und wurde unter Erzbischof Konrad von Hochstaden befestigt. Die befestigte Stiftsstadt wurde mit der benachbarten Marktsiedlung zusammengelegt und durch eine gemeinsame Stadtmauer geschützt, deren Verlauf heute noch nachvollziehbar ist. Zur Bonner Stadtbefestigung gehörten im Mittelalter das Stockentor nach Süden, das Sterntor nach Westen, das Kölntor nach Norden und die Rheinpforte nach Osten mit dem Rheintor und dem Giertor. Die heutige Kasernenstraße und Theaterstraße markieren den nördlichen Verlauf der Stadtmauer. Noch im 17. Jahrhundert wurde der mittelalterlicher Mauerring mit seinen Ursprüngen im 13. Jahrhundert durch weitere Festungsanlagen ergänzt. Gerade zum Rhein hin war die Stadt stark befestigt, auch mit dem seit 1644 belegten Alten Zoll. Im Verlauf des 30-jährigen Krieges wurde das Terrain ab 1642 Teil der Stadtbefestigung (Bastion Drei Könige oder Dreikönigen-Bastion) und bildete den linksrheinischen Uferabschluss.

Uni-Hauptgebäude am Hofgarten in Bonn. - Foto: Hans-Dieter Weber.

Bonn wandelte sich dann vom geistlichen Zentrum im Mittelalter zur kurfürstlichen Residenz der Frühen Neuzeit.

Zunächst erlebte das Kurfürstentum Köln im 16. Jahrhundert zwei gescheiterte Reformationsversuche, einen überwiegend theologisch motivierten unter Erzbischof Hermann von Wied und einen mehr machtpolitisch begründeten unter Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg. Der folgende Truchsessische oder Kölnische Krieg überzog weite Teile des Rheinlands und angrenzende Gebiete mit langwierigen Kämpfen, die auch zur Zerstörung der Godesburg oder der ehemaligen Wasserburg Poppelsdorf führten. Er war weit mehr als ein lokaler Konflikt und der erste Religionskrieg in Deutschland, an dem auch Frankreich, Spanien, die Niederlande und der Papst beteiligt waren.

Zum Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Stadt Bonn dann Haupt- und Residenzstadt der Kölner Kurfürsten, die dorthin bereits im Jahr 1525 die „Kanzley" als Herzstück der Verwaltung verlegt hatten. Durchaus prachtvolle Bauten entstanden, wie das Kurfürstliche Schloss (heute Hauptgebäude der Universität Bonn) oder das Poppelsdorfer Schloss, besonders unter Kurfürst Clemens August.

Poppelsdorfer Schloss - Ansicht

Das Poppelsdorfer Schloss entstand als Nachfolgegebäude der bereits in 1583 zerstörten gotischen Wasserburg. Es wurde ab 1715 neu geplant und errichtet, ursprünglich als Lustschloss „Clemensruhe“. In seiner heutigen Form entstand es letztlich ab dem Jahr 1723 und wurde über die Poppelsdorfer Allee mit dem Stadtschloss verbunden. Die heute noch sichtbare Achse vom Kurfürstlichen zum Poppelsdorfer Schloss war ursprünglich als Kanal geplant, wurde aus Geldmangel aber letztlich parkartig als Allee angelegt.

Am Schluss der kurfürstlichen Epoche residierte ein Habsburger in Bonn, Maximilian Franz, jüngster Sohn Maria Theresias. Während seiner Regentschaft bekam der Draitschbrunnen in Godesberg einige Bedeutung und Godesberg wurde im Jahr 1790 zum Kur- und Badeort ernannt. Zur Förderung des Heilbads entstand die Redoute, der letzte Bau aus der kurfürstlichen Zeit, den Max Franz im klassizistischen Stil errichten ließ.

Beethovenhaus: Garten und Büste. - Foto: Hans-Dieter Weber

Im Jahr 1770 - noch zur Zeit von Kurfürst Maximilian Friedrich - er­blick­te Ludwig van Beethoven in Bonn das Licht der Welt (Tauf­tag 17. De­zem­ber). In Bonn verbrachte er die ersten 22 Jahre seines Lebens, bevor ihn sein Weg nach Wien führte. Die wichtigsten Abschnitte aus seiner Kindheit und Jugend in Bonn werden auf dem Beethoven-Rundgang erlebbar, der von einer Arbeitsgruppe um den Förderverein "Bürger für Beethoven" gestaltet wurde.

Als im Herbst 1794 französische Revolutionstruppen auch den Bonner Raum besetzten, endete die kurfürstliche Zeit und Bonn wurde zum Sitz einer Unterpräfektur im Rhein-Mosel-Departement. Mit der Aufhebung der Klöster und Stifte im Rahmen der Säkularisation oder der Einführung der Gewerbefreiheit entstand eine neue Ordnung. Systematisch vollzog sich die Angleichung an die rechtlichen, administrativen und politischen Gegebenheiten Frankreichs. 1804 wurde der "Code Civil" (später auch "Code Napoléon" genannt) eingeführt, der bis zur Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches im Jahre 1900 im Rheinland fortwirkte.

Eingangportal am Bonner Hauptbahnhof

Der Wiener Kongress ordnete dann nach der Niederlage Napoléons die gesamte europäische Staatenwelt neu. Mit der Unterzeichnung der Wiener Kongressakte am 9. Juni 1815 wurde die Zuordnung des Rheinlands zu Preußen völkerrechtlich besiegelt. Ab 1822 wurden die preußischen Rheinlande zu einer Provinz zusammmengefasst, für die sich bald der Name „Rheinprovinz" einbürgerte. Auch in Bonn lassen sich repräsentative Bauten aus dieser Epoche finden. Besonders die monumentale Bauweise des Bahnhofsgebäudes ist typisch für diese Zeit. Es entstanden auch Bauten wie das LVR-LandesMuseum, das Anatomische Institut an der Poppelsdorfer Nußallee, das Alte Chemischen Institut der Universität Bonn, die Alte Sternwarte, das Akademische Kunstmuseum, das Preußische Oberbergamt oder das Museum Koenig.

Die nach dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. benannte und bereits im Jahr 1818 gegründete Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität hat bis heute ihren Sitz in Bonn. Weltweit anerkannte Spitzenforschung und ein historisches Ambiente prägen das Bild der Hochschule, heute eine der größten Universitäten in Deutschland. Als international operierende Forschungsuniversität mit vielen anerkannten Stärken verfügt sie im In- und Ausland über ein hohes wissenschaftliches Ansehen.

Gedenktafel am Kloster Endenich

Zur Bonner Geschichte gehören aber auch Orte wie das in 1941 beschlagnahmte Klostergebäude in Endenich, ein Ort, den die Nationalsozialisten als Sammellager mißbrauchten. Von den Inhaftierten, die von hier aus den Weg zu ihrer Ermordung antreten mussten, haben nur 13 deportierte Jüdinnen und Juden die Shoa überlebt. Die Gedenkstätte und das NS-Dokumentationszentrum Bonn zeigen heute in einer Dauerausstellung die Ausgrenzung und Verfolgung von politischen Gegnern, der jüdischen Bevölkerung, von Sinti sowie anderen Menschen aus Bonn und der Region, die dem NS-Terror ausgesetzt waren.

Allein in Bonn gab es im Zweiten Weltkrieg etwa 7.000 Zwangsarbeiter/innen aus Osteuropa, die in Unternehmen wie der Beueler Jutefabrik, den Vereinigten Aluminiumwerken Bonn, der Moeller AG, der Firma Soennecken und weiteren Orten Zwangsarbeit verrichten mussten. [1]

Mahnmal am Bonner Kaiserplatz. - Foto: Hans-Dieter Weber.

Während des Zweiten Weltkriegs blieb Bonn von Bombenangriffen lange Zeit weitgehend verschont – bis am 18. Oktober 1944 ein Luftschlag der Alliierten die gesamte Innenstadt von der Zweiten Fährgasse bis zur Wachsbleiche zerstörte. Die schwere Bombardierung Bonns hatte im Stadtbild sichtbare Spuren hinterlassen. Etwa 300 Männer, Frauen und Kinder fanden den Tod, die historische Altstadt wurde nie wieder aufgebaut.

Doch selbst Anfang März 1945 waren auch in Bonn noch Durchhalteparolen der Nazi-Machthaber zu lesen. „Unser Volk wird die Bewährungsprobe bestehen“, lautet etwa die Schlagzeile in den Bonner Nachrichten vom 2. März 1945. Von einem „Widerstand um jeden Preis“ ist hier die Rede. [2]

Nur kurze Zeit später, am 8./ 9. März 1945 erfolgte dann die Besetzung von Bonn und Bad Godesberg durch amerikanische Truppen. Bereits am Abend des 8. März 1945 war die Rheinbrücke von den in Richtung Beuel und Siegburg zurückweichenden deutschen Truppen gesprengt worden. Ab Anfang März 1945 rückten amerikanische Truppen auf Bonn zu. Die Bonner Zivilbevölkerung suchte in diesen Tagen Schutz in Kellern und Bunkern.

Am 9. März erfolgte die Übergabe von Bonn im Alten Stadthaus durch den städtischen Rechtsrat Dr. Horster und den Stadtrat Dr. Hirtz. In der Stadt lebten zu der Zeit noch rund 43.000 Bonner in Bunkern, Trümmern und beschädigten Häusern, von einst über 100.000 Menschen. Als die Amerikaner kamen, war die Stadt längst wundgeschunden vom Krieg, hieß es später in einem Artikel im Bonner General-Anzeiger. [3]

Norbert Schloßmacher, in den Jahren 2003 bis 2022 Leiter des Bonner Stadtarchivs, hat im Artikel „Bonn - Ein historisches Stadtporträt“ wichtige Stationen der Stadtgeschichte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zusammengefasst:
bpb.de/bonn-ein-historisches-stadtportraet.

Die jüngere Geschichte der Stadt ist untrennbar mit der Gründung der Bundesrepublik und dem in Bonn erarbeiteten Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland verbunden.

Ehemalige Pädagogische Hochschule Gronau

Bonn wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zur Wiege der Nachkriegsdemokratie und zur Hauptstadt der neuen Bundesrepublik. Am 3. November 1949 bestätigte der Deutsche Bundestag das Votum des Parlamentarischen Rates. Mitbewerber Frankfurt unterlag knapp.

Das Bundeshaus wurde Sitz von Bundestag und Bundesrat, der erste Bundespräsident Theodor Heuss zog in die Villa Hammerschmidt, der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer in das Palais Schaumburg. In der Folge erfuhr die Stadt Bonn eine umfangreiche Erweiterung und wuchs über das neue Parlaments- und Regierungsviertel mit Bad Godesberg regelrecht zusammen.

Das Bundeshaus bestand zuletzt aus mehreren Gebäuden, die 1949-99 vom Parlament genutzt wurden. Kerngebäude im ehemaligen Bonner Regierungsviertel war die ehemalige Pädagogische Akademie Bonn, die nach der Entscheidung der Hauptstadtfrage im Jahr 1949 zunächst zur provisorischen Unterkunft des Bundestages und Bundesrates in Bonn umgebaut wurde.

Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn

Die Stadt Bonn war in den Jahren 1949 bis 1990 Bundeshauptstadt und bis zum Jahr 1999 auch Parlaments- und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland. Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland an der Museumsmeile in Bonn präsentiert in einer Dauerausstellung die deutsche Geschichte von 1945 bis zur Gegenwart. Am 9. Dezember 2025 öffnete hier die neue Dauer-Ausstellung. Neu inszeniert und sortiert und in einem neuen Design präsentierte sie das Haus der Geschichte unter dem Titel "Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945". Dies zieht sich wie ein roter Faden durch die neue Ausstellung.

Seit dem Jahr 1996 hat sich Bonn ein neues Profil als deutsche Stadt der Vereinten Nationen und Ort des internationalen Dialogs zu Zukunftsthemen gegeben. Ein sichtbares Symbol dieser Entwicklung ist der Bonner UN-Campus. Im Juli 2006 übergab die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel den neuen Dienstsitz der Vereinten Nationen in Bonn an den damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan. Am 11. Juli 2006 wurde der UN Campus eröffnet.

Streiflichter und Einblicke

Cassius und Florentius - Skulptur am Bonner Münster
Heilige Stiege auf dem Kreuzberg
Universitäts-Hauptgebäude

Stadtgeschichte:

Zeiten und Menschen:

Einzelnachweise:

  1. Informationen auf bonnerleerstellen.net, abgerufen am 19.4.2023
  2. vgl. dazu: zeitpunkt.nrw (pdf)
  3. vgl. dazu: ga.de vom 4. März 1995