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Bonner Münster

Aus Bonn.wiki
Bonner Münster
Bonner Münster - Kreuzgang. - Foto: Hans-Dieter Weber.

Das fünftürmige Bonner Münster mit dem mächtigen Hauptturm (Vierungsturm) in der Mitte ist seit vielen Jahrhunderten das Wahrzeichen der Stadt. Erstmals im Jahr 691 urkundlich erwähnt, sind die Ursprünge der Münsterkirche wesentlich älter.

Die Basilika wurde über einer kleinen Gedenkstätte für die Märtyrer und Bonner Stadtpatrone Cassius und Florentius errichtet, der Legende nach eine Gründung der hl. Helena, der Mutter des römischen Kaisers Konstantin, der mit dem Erlaß eines Toleranzediktes im Jahr 313 nach Christus das Ende der Christenverfolgung einleitete.

Dank zahlreicher Grabungsfunde kann die Vorgeschichte des Münsters jedenfalls bis in vorchristliche, römische Zeiten lückenlos nachgewiesen werden.

Eine spätantike Totengedenkstätte am Ort (Cella memoriae) wird auf die Zeit um 300 datiert. Bereits ab 400 entstand eine kleine Kapelle, das älteste Zeugnis christlichen Glaubens in Bonn. An ihrer Stelle entwickelte sich ein Kloster und sodann das Cassiusstift, das über elf Jahrhundete bestand und sich besonders unter Gerhard von Are zu einem bedeutenden Grundherren in der Region entwickelte. Auf ihn geht auch der Bau des Bonner Münsters zurück.

Das heutige Gotteshaus war, als es vom 11. bis 13. Jahrhundert errichtet wurde, die erste Großkirche im Rheinland. Sie wurde vollendet, als in Köln erst der Grundstein zum Dom gelegt wurde. Romanik und Gotik – beide Baustile wurden hier elegant miteinander verbunden.

Nach Vollendung der Generalsanierung wurde das Bonner Münster im Oktober 2021 wiedereröffnet.

  • Adresse: Münsterplatz, 53111 Bonn

Die Münsterkirche

Bonner Münster
Eingangsbereich am Bonner Münster
Cassius und Florentius - Skulptur am Bonner Münster
Das Münster am Abend

Der Kirchbau war eine der ersten großen Kirchen im Rheinland und entstand zunächst als dreischiffige Kreuzbasilika.

Ab dem Jahr 1140 wurde ein Erweiterungsbau unter Probst Gerhard von Are errichtet, der 1153 eingeweiht werden konnte. Er ließ den Kirchbau durch einen von zwei Flankentürmen begleiteten Ostchor erweitern und an der Südseite der Kirche einen Kreuzgang errichten. Die mit einer Zwerggalerie abschließende dreigeschossige Apsis (Rheinischer Etagenchor) erhielt eine besonders differenzierte Gestaltung.

Mit der nächsten Bauphase im 13. Jahrhundert entstand der Neuaufbau des Langhauses mit einer Verbreiterung der Seitenschiffe sowie die Umgestaltung der Westapsis, weiterhin das gotische Portal zum Münsterplatz hin sowie das Pyramidendach des Vierungsturms.

Die Innenausstattung entstammt zumeist dem Barock sowie dem 19. und 20. Jahrhundert. Und trotzdem wirkt alles zusammen erstaunlich harmonisch. Besonders erwähnt seien hier der Magdalenen-Altar aus marmoriertem Holz, die Holzfigur des Hl. Martin, das Taufbecken aus dem 12. Jahrhundert sowie eine sitzende Madonna.

Ein Kleinod für sich und eine Oase der Stille und Besinnung inmitten der lauten City ist der an die Kirche angeschlossene Kreuzgang.

Im Bonner Münster haben auch zwei Königskrönungen stattgefunden: 1314 die Krönung Friedrichs des Schönen, 1346 die Krönung Karls IV, der zu den bedeutendsten Herrschern des Mittelalters zählt.

Im 19. Jahrhundert ging das Patrozinium der Nachbarkirche St. Martin auf das Münster über. St. Martin wurde bald darauf abgerissen - die Umrisse sind heute im Pflaster des Martinsplatzes zu sehen.

Seit 1956 trägt das Münster den Ehrentitel einer Basilica minor („kleinere Basilika“). Diese Auszeichnung wird seit dem 18. Jahrhundert vom Papst der römisch-katholischen Kirche als besonderer Ehrentitel an bedeutende Kirchengebäude verliehen.

Nach wie vor ist die Basilika das Zentrum einer lebendigen Kirchengemeinde, ein Ort für Ruhe und Gebet für Bonner wie Bonn-Besucher. Im Pfarrhaus nebenan „residiert“ der Bonner Stadtdechant.

Im Jahre 2006 hat der 85 Meter hohe Vierungsturm des Münsters eine ungewöhnliche Bekrönung erhalten, einen gut eine halbe Tonne schweren und fünf Meter hohen Aufsatz aus Kreuz, Märtyrerkrone (ein Verweis auf die Stadtpatrone) und Kugel mit Pyxis (liturgisches Gefäß). Bis dato hatten den Kirchturm weder ein Kreuz noch ein Wetterhahn geschmückt, wie sonst bei katholischen Kirchenbauten üblich, sondern nur ein profaner vierzackiger Blitzableiter. Den nunmehr würdigen Abschluss verdankt der Hauptturm der päpstlichen Basilika der Bonner Münster-Stiftung, die auch die Spendenmittel (alles in allem etwa 50 000 Euro) aufgetrieben hatte. Spender konnten sich auf einer Pergamentrolle eintragen, die in eben jener Pyxis in der Kugel unter dem Kreuz deponiert wurde. Der Montage-Zeitpunkt war gut gewählt, gab es doch wegen fälliger Dachdeckerarbeiten ein Gerüst mit Zugang zur Turmspitze.

Nach einer Generalsanierung von 2017 bis 2021 erstrahlt das Gotteshaus insgesamt in neuem Glanz. Nach mehr als vier Jahren waren die Arbeiten im Innenraum des Bonner Münsters in 2022 abgeschlossen, im Jahr darauf auch die Arbeiten an der Fassade und die restlichen Arbeiten der Außensanierung, einschließlich Rückbau des Gerüsts am Vierungsturm.

Anschrift und Kontakt:

St.Martin - Relief von Ernemann Sander an der Münstermauer in Bonn - Foto: Hans-Dieter Weber.

Kirchenfenster

Im Altarraum des Bonner Münsters zeigen sieben farbenprächtige Chorfenster von Josef (Jupp) Strater die sieben Schöpfungstage mit der Trennung von Licht und Finsternis, von Wasser und Erde und der Erschaffung der Gestirne, der Pflanzen und Tiere und des Menschen.

Das Glasfenster hinter der Orgel mit dem Titel „Gericht“ stammt von Willy Weyres aus dem Jahr 1948.

Einen großen Teil der Fenster im Bonner Münster hat der Leverkusener Glasmaler Paul Weigmann dann in den späten 1970-er und frühen 1980-er Jahren gestaltet, oft in einem schwarz-weiß gehaltenen Stil und mit Ornamenten rund um das Hauptmotiv.

Neben einem Fenster in der Krypta von Jupp Strater wurde auch ein Fenster im Seitenschiff von Weigmann in 1979 mit den Bonner Stadtheiligen Cassius und Florentius gestaltet.

Im Seitenschiff sind es weiterhin Szenen aus dem Leben Jesus mit einer Serie aus Rosenkranz-Bildern im Querschiff, darunter zu Beginn eine Szene mit Jesus am Ölberg. Während auf der Nordseite der weltliche Teil der Geschichte Christi dargestellt wird, sind es auf der Südseite Bilder der Auferstehung.

Auch an Gerhard von Are (mit dem Kirchenmodell) oder die historischen Königskrönungen im Münster wird im Querschiff erinnert. Eine weitere Rosette hat die Erhebung des Münsters zur Basilika Minor durch Papst Pius XII. in 1956 zum Inhalt sowie einen Hinweis auf den Papstbesuch von Johannes Paul II. in 1980. Papst Johannes Paul II. besuchte am 15. November 1980 das Bonner Münster, wo er vor dem Schrein der Stadtpatrone betete und auf dem Münsterplatz zu rund 20.000 Menschen sprach.

In der Krypta befinden sich Kirchenfenster von Heinrich Campendonk aus 1930 mit zum Teil abstrakter Bildsprache, die etwa das Auge Gottes zeigen oder Alpha und Omega als Zeichen von Anfang und Ende. Hier finden sich auch Abbildungen der Stadtheiligen Cassius und Florentius, der heiligen Helena sowie des heiligen Martin von Tours.

siehe auch

Bonner Münster - Foto: Hans-Dieter Weber

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