Plittersdorf
Plittersdorf ist ein Stadtteil der Bundesstadt Bonn im Stadtbezirk Bad Godesberg mit rund 11.000 Einwohnern. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt Niederdollendorf, dorthin setzt eine Rheinfähre über.



Der Ort mit einem kleinen, alten Ortskern, der sich zwischen Ubierstraße, Wurzerstraße und Plittersdorfer Straße erstreckt, wurde 1899 nach Bad Godesberg eingemeindet.
Vor allem Bedienstete des Bundes ließen sich in den 1950er- und 1960er-Jahren in aus dem Boden gestampften, eher kleinparzelligen Neubausiedlungen in „Neu-Plittersdorf“ nieder. Neben dem alten Ortskern mit fließendem Übergang ins Godesberger Villenviertel entstand in Plittersdorf eine Neubausiedlung für Bundesbedienstete.
Zum Stadtteil gehört ebenso die amerikanische Siedlung, die 1951 für die Bediensteten der ehemaligen amerikanischen Botschaft mit kompletter Infrastruktur errichtet wurde (HICOG-Siedlung Plittersdorf).
Auch die Amerikaner fanden Gefallen an der flussnahen Lage und errichteten hier für die Mitarbeiter der Botschaft die „Amerikanische Siedlung“ samt Schule, Supermarkt, Sportanlagen, Club und Kirche, ein „Klein-Amerika“ eben – auch heute in renoviertem Zustand für deutsche „Nachmieter“ von großem Interesse. Wahrzeichen ist immer noch die Stimson Memorial Chapel, ein Kirchlein, das aussieht, als habe man es aus dem „Corn-Belt“ im Mittleren Westen nach Bonn verpflanzt. In unmittelbarer Nähe zum ehemaligen American Club entstand das Gebäude der Bonn International School.
Am Rheinufer befindet sich die Gaststätte Schaumburger Hof (Godesbergs älteste Gaststätte – seit 1755) mit seinem von Bäumen beschatteten Biergarten. Sehenswert ist die großzügige Rheinpromenade vom Rheinauenpark bis zum Hotel Dreesen in Rüngsdorf, in Plittersdorf mit dem Haus Carstanjen, dem Schaumburger Hof und dem weitläufigen Leser-Park samt Villa Cahn.
Ein Spaziergang zum Damwild-Gehege in der Bonner Rheinaue (zwischen den Sportanlagen für Cricket und Rugby) führt vom Schaumburger Hof und der Kirche St. Evergislus am Plittersdorfer Rheinufer entlang Richtung Norden, am imposanten Mausoleum von Carstanjan und dem von den Vereinten Nationen genutzten Haus Carstanjen vorbei bis in den Rheinauenpark.
Amerikanische Siedlung
Die Siedlung, im Volksmund auch „Klein Amerika“ genannt, wurde in den Jahren 1952/1953 in Plittersdorf zu dem Zweck errichtet, geeigneten Wohnraum für die Mitarbeiter der US-Botschaft zu schaffen. In der früheren Plittersdorfer Aue, nördlich des Ortskerns von Plittersdorf, wurde auf rund 43 Hektar diese Wohnsiedlung mit 458 Wohneinheiten errichtet.
Es entstand eine großzügige, fast schon parkähnliche Wohnanlage mit allem, was die Amerikaner so zum Leben brauchten: komfortable Häuser, Schulen, Kindergarten, (Sport-) Club, Supermarkt und sogar einer Kirche (die am 18.7.1952 eingeweihte Stimson-Memorial-Chapel), die immer noch so aussieht, als sei sie vom Mississippi an den Rhein verpflanzt worden.
Mit ihren dunkelroten Backsteinmauern, dem weißen Glockenturm und den mächtigen weißen Säulen am Haupteingang erinnert die kleine Kirche an den kolonialen Baustil der Kirchen in New England aus dem 18. Jahrhundert.
Haus Carstanjen
In der herrschaftlichen Villa (Haus Carstanjen) waren nach 1945 zunächst US-Militärs und später bundesrepublikanische Ministerien untergebracht, heute nutzen die UN das Ensemble aus dem 19. Jahrhundert.
Die Familie Carstanjen hatte mit Tabak und Zucker ein Vermögen verdient. Im Jahr 1881 kaufte Wilhelm Adolf von Carstanjen den Auerhof am Rheinufer in Plittersdorf, Sohn Robert baute ihn herrschaftlich aus.
Ab 1950 zogen mehrere Bundesministerien ein, bevor der Gebäudekomplex von den Vereinten Nationen genutzt wurde. Am 20. Juni 1996 wurde Bonn UN-Stadt und im Haus Carstanjen das Domizil der United Nations Volunteers eröffnet.
Der angrenzende Park gehört der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und ist frei zugänglich.
Kirchen
Die Kirche St. Evergislus ist das römisch-katholische Gotteshaus in Plittersdorf, das in den Jahren 1870 bis 1871 als Nachfolgebau der bereits 1344 erwähnten Georgs-Kapelle am Ort entstand. Der Backsteinbau der Kirche hat einen kreuzförmigen Grundriss aus Haupt- und Querschiff und einen fünfseitigen Chor. Vorgelagert ist der hohe und schlanke Turm mit dem Haupteingang. Der Bonner Kreisbaumeister Paul Richard Thomann plante die Kirche im neugotischen Stil, die 1911 um zwei Seitenschiffe erweitert wurde.
Die Christuskirche am Ort (Wurzerstr. 31) gehört zur Ev. Thomas-Kirchengemeinde. Sie entstand 1953 nach den Plänen des Architekten Otto Bartning.
siehe dazu:
- Evangelische Christuskirche Plittersdorf
- Kirche St. Evergislus
- Kirche der Christengemeinschaft
- Stimson Memorial Chapel in der amerikanischen Siedlung
Leserpark und Villa Cahn
Der Leserpark in Plittersdorf erstreckt sich auf einer Fläche von rund 40.000 Quadratmetern entlang des Rheins zwischen dem Von-Sandt-Ufer und der Neubebauung Am Büchel. Er ist mit verschiedenen 60- bis 100-jährigen Laubbäumen bestanden.
Im Park liegt die Villa Cahn, ein stilistischer Mix aus Neogotik und Neoklassizismus. Sie wurde einst nach Plänen des hannoverschen Architekten Edwin Oppler für den jüdischen Bankier Albert Cahn von 1868 bis 1870 als damals sogenanntes „deutsches Haus am Rhein“ errichtet. Eigentümer der Villa zur Wende zum 20. Jahrhundert wurden Verwandte von Albert Cahn, die Familie Leser, zugleich Namensgeber des Parks.
Mit einem massiven Zaun hat der heutige Eigentümer das Grundstück und die Villa zum Rhein hin abgeschirmt. Der Park ist nicht öffentlich, es gibt aber zwei Wegerechte.
Neben der Villa Cahn steht die Kirche der Christengemeinschaft (Am Büchel 57).
Schaumburger Hof
Der „Schaumburger Hof“ gehört zu den Plittersdorfer Sehenswürdigkeiten, ebenso wie das Rheinpanorama, das besonders von der Außenterrasse mit einem schönen Blick auf das rechtsrheinisch gelegene Siebengebirge zu genießen ist.
Das Restaurant am Plittersdorfer Rheinufer ist in einem historischen Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1755 untergebracht. In der wärmeren Jahreszeit bietet der Biergarten unter alten Lindenbäumen zahlreiche weitere Plätze.
Hier saß schon Heinrich Heine um 1852/53, von dem das Zitat überliefert ist: „Dort wieder unter dem Lindenbaum, sitz ich vor der alten Schenke“.
Im Januar 2026 wurde bekannt, dass das traditionsreiche Gasthaus in Plittersdorf seinen Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet hat.
Schulen
Streiflichter und Einblicke
- Amerikanische Siedlung
- Bürgerstiftung Rheinviertel
- Deutsches Museum Bonn
- Ehemaliger Amerikanischer Club in Bonn-Plittersdorf
- Ehemaliges Wasserwerk Plittersdorf
- Fähre Plittersdorf - Niederdollendorf
- Forschungszentrum „caesar“
- Godesberger Bach
- Haus Carstanjen
- HICOG-Siedlungen
- Leserpark Plittersdorf
- Mausoleum
- Rheinaue
- Restaurant Pastis im Steinhaus
- Schaumburger Hof
- Spiel- und Sportvereinigung Plittersdorf 1922 e.V. (SSV Plittersdorf)
- Turmhof Plittersdorf
- Villa Cahn
- Villa Cleff
- Von-Sandt-Ufer
- Zentralfriedhof Bad Godesberg
Stadtbezirk:
Vereine
- Ein ausführliches Vereinsregister (getrennt nach Sport- und sonstigen Vereinen) findet man im Internet unter www.bonn.de/vereine.
- Ortsausschuss Plittersdorf
Virtuelle Rundgänge
- godesberger-markt.de: Walter Voigt, Bad Godesberg zu Fuß entdecken ...
- vhh-badgodesberg.de/mobil-unterwegs/plittersdorf
- Mit dem Rad: Bad Godesberger Botschaftstour
Weblinks und Quellen
GA-Artikel':
Kultur.Landschaft.Digital.:
- „Amerikanische Siedlung in Plittersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-21745-20111110-15 (Abgerufen: 26. Mai 2023)
- „Haus Carstanjen in Plittersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-49306-20120605-8 (Abgerufen: 26. Mai 2023)
- „Mausoleum Carstanjen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-101002-20140825-2 (Abgerufen: 26. Mai 2023)
- „Martin-Luther-King-Straße”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-250743 (Abgerufen: 26. Mai 2023)