Mit dem Rad: Bad Godesberger Botschaftstour
Attraktives Radfahren in Bad Godesberg ist besonders entlang des Rheinufers möglich. Weitere Routen führen etwa durch das Villenviertel und beliebt sind auch Ausflüge in das Umland, etwa in Richtung Wachtberg.
Eine Besonderheit ist in Bad Godesberg eine Tour mit dem Rad zu Standorten der ehemals zahlreichen Botschaften und Botschaftsresidenzen.
Botschafts-Tour
Eine Tour, die auf der Website botschaftstouren.de/touren veröffentlicht wurde, führt vom Bahnhof Bad Godesberg zunächst durch das Villenviertel und von dort bis an den Rand der Rheinaue zur ehemaligen Syrischen Botschaft. Sie kann als geführte Tour gebucht werden.
Die ehemalige Syrische Botschaft hatte von 1990 bis 2002/03 ihren Sitz im Bonner Stadtteil Hochkreuz. Das Botschaftsgebäude, an dem auch rund 40 Handwerker und Künstler aus Syrien mitgewirkt haben sollen, liegt am Südrand des Bundesviertels am Rande der Rheinaue zwischen Andreas-Hermes-Straße und Ferdinand-Lassalle-Straße und ist eines der wenigen Botschafts-Bauwerke in Bonn, das mit landestypischen Merkmalen errichtet wurde. Die lichtdurchfluteten Innenhöfe, kunstvoll gestalteten Marmorböden oder reich verzierten Wand- und Deckenintarsien aus Holz im Innenbereich können allerdings heute nicht mehr besichtigt werden.


Die Tour führt weiter zur früheren Amerikanischen Siedlung, im Volksmund auch „Klein-Amerika“ genannt, und dort insbesondere zur Stimson Memorial Chapel an der Kennedyallee. Mit ihren dunkelroten Backsteinmauern, dem weißen Glockenturm und den mächtigen weißen Säulen am Haupteingang erinnert die kleine Kirche in Plittersdorf an den kolonialen Baustil der Kirchen in New England aus dem 18. Jahrhundert.
Weitere Stationen folgen mit der ehemaligen Apostolischen Nuntiatur (Botschaft des Vatikan im früheren Turmhof Plittersdorf) sowie der früheren Residenz der Portugiesischen Botschafter an der Dollendorfer Straße.
Der Turmhof liegt in Plittersdorf. Die heutige Villa an der Turmstraße 29 und nahe der Kirche Sankt Evergislus geht auf einen kurkölnischen Rittersitz zurück und wurde um 1840 inmitten einer Parkanlage neu errichtet. Von 1952 bis 2001 wurde das Gebäude als Sitz der Apostolischen Nuntiatur, der diplomatischen Vertretung des Heiligen Stuhls in der Bundesrepublik Deutschland genutzt.
Die Botschaft der Portugiesischen Republik war seit 1951 in Plittersdorf angesiedelt und befand sich in der ehemaligen Villa Cleff, einer klassizistische Villa aus dem Ende des 19. Jahrhunderts oberhalb des Rheinufers (Von-Sandt-Ufer) an der Dollendorfer Straße 15. Bis 1999 war die Botschaft in diesem Haus untergebracht, bevor sie nach Berlin zog.
Etwa 500 m vom Rhein entfernt liegt an der Simrockallee 2/ Ecke Ubierstraße die ehemalige Israelische Botschaft. Neun Jahre nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel wurde 1974 das Gebäude für die Botschaft errichtet, die hier bis 1999 ihren Sitz hatte. Geschützt durch hohe Betonmauern und Sicherheitsanlagen galt die israelische Botschaft als die am besten bewachte diplomatische Vertretung in Bonn. Im Jahr 2003 wurde das Gebäude in ein Bürohaus umgewandelt.
Anschließend geht es wieder am Rheinufer entlang, das hier Von-Sandt-Ufer heißt, vorbei an der ehemaligen Residenz von Großbritannien. Als Wohnsitz des Botschafters diente hier die Rüngsdorfer Villa Cappell an der Heisterbachstraße 39 (die ehemalige britische Botschaft im Schatten der CDU-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Allee ist dagegen längst abgerissen).
In der Nähe des Rheinhotels Dreesen entstand nach Inkrafttreten der Pariser Verträge die Botschaft der französischen Republik, die bis 1999 genutzt wurde. Der Standort war An der Marienkapelle 3/ Rheinstraße im Stadtteil Rüngsdorf.
Weiter führt die Tour bis zur Villa Camphausen in Mehlem (Mainzer Straße 233), wo sich einst die Residenz von Südkorea befand. Anfang 1985 erwarb die Republik Korea die Villa Camphausen im Stadtteil Mehlem, um dort die Residenz der Botschaft einzurichten. Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes zog auch die Hauptstelle der südkoreanischen Botschaft 1999 nach Berlin um. Heute wird in der Villa Camphausen die „Seniorenresidenz Kursana Villa Bonn“ mit dem angrenzenden großen Park betrieben.
Der Rückweg führt durch Mehlem mit Haltepunkten am Standort der ehemaligen Botschaft der Türkei (die Botschaft selbst wurde abgerissen und das Gelände neu bebaut) sowie der Ex-Residenz Südafrikas.
Die Botschaft der Republik Türkei hatte von 1954 bis 1999 ihren Sitz im Bonner Stadtbezirk Bad Godesberg. Die in 1965–1967 errichteten Botschaftsgebäude befanden sich nahe dem Rheinufer in Mehlem, das Kanzleigebäude an der Utestraße 47/ Ecke Gernotstraße 5 und die Residenz an der Gernotstraße/ Ecke Rüdigerstraße. Nachdem der Hauptsitz der türkischen Botschaft 1999 nach Berlin verlegt worden war, standen die Gebäude leer und wurden im Jahr 2012 abgebrochen.
Die Residenz (Wohnsitz des Botschafters) der Botschaft von Südafrika lag in Mehlem an der Rüdigerstraße 22, das ehemalige Kanzleigebäude der Botschaft, das von 1973 bis 1975 einem 4.800 Quadratmeter großen Areal zwischen Schaumburger Hof und portugiesischer Residenz errichtet wurde, an der Straße Auf der Hostert 3. Die Einweihung des neuen Botschaftssitzes erfolgte am 11. September 1975. Im Zuge der Verlegung des Regierungssitzes nach Berlin zog auch die südafrikanische Botschaft im November 1999 dorthin, das Bad Godesberger Gebäude steht seither leer und wurde zum Verkauf angeboten.
- vgl. www.suedafrika.org

Im Verlauf der weiteren Tour wird die Deichmanns Aue und hier die ehemalige US-Botschaft erreicht, heute Sitz der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. Das Schloss Deichmannsaue liegt am Rande der „Mehlemer Auen“ nördlich der Rheinfähre Königswinter-Mehlem. Es wurde mehrmals umgebaut und erweitert und wird seit 1955 von der Bundesrepublik Deutschland genutzt. Zuvor waren im Schloss ab dem 28. September 1949 das US-amerikanische Hochkommissariat als Dienststelle des Hohen Kommissars („High Commissioner of Germany“, HICOG) und Teile der Alliierten Hohen Kommission (AHK) untergebracht. Hinter der Adresse Deichmanns Aue 29 verbirgt sich die ehemalige US-Botschaft, die 1950 erbaut wurde.
Durch das frühere Rüngsdorfer Diplomatenviertel geht es zurück zum Godesberger Bahnhof. Dabei gibt es insbesondere auf dem Weg durch die Rolandstraße in Rüngsdorf weitere ehemalige Botschaftsresidenzen zu sehen.
Nachdem Bonn Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland geworden war, richtete die Republik Italien schon in den frühen 1950-er Jahren in der Villa an der Rolandstraße 43 die Residenz ihres Botschafters ein. Die ehemalige italienische Boschaft lag an der Karl-Finkelnburg-Straße.
In einer denkmalgeschützten Villa an der Rolandstraße 67 aus dem Jahr 1922 mit einer bis zum Rheinufer reichenden Parkanlage und historischem Baumbestand war die Residenz der US-Botschaft untergebracht. Das Gebäude diente von 1951 bis 1955 als Residenz des Hochkommissars sowie anschließend bis 1999 des Botschafters der Vereinigten Staaten in der Bundesrepublik Deutschland.
Literatur
- Michael Wenzel, „Kleine Geschichte(n) Bad Godesberger Botschaften“, 4. Auflage, 2025
- Gabriele Wiesemann, Die Deichmannsaue - großbürgerliche Sommerresidenz, Botschaft der Vereinigten Staaten, Bundesbauministerium, Sitz des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Bonn 2006
Ständige Vertretung der DDR
Im Jahr 1974 übernahm die DDR das Gebäude an der Godesberger Allee 18 für ihre Ständige Vertretung in Bonn. Im Grundlagenvertrag mit der DDR, der am 21. Dezember 1972 von den beiden Regierungen unterzeichnet worden war, war die Einrichtung sogenannter Ständiger Vertretungen (StäV) jeweils in Bonn und in Ost-Berlin vereinbart worden.
- vgl. dazu: Sarina Eßling (2023): „Dienstsitz der ehemaligen Ständigen Vertretung der DDR in Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345541 (Abgerufen: 9. Juli 2024)
Verbliebene diplomatische Vertretungen

Heute sind nur ein gutes Dutzend diplomatische Vertretungen am Rhein geblieben, allerdings nur in Gestalt von Botschafts-Außenstellen oder (General-)Konsulaten. Ein besonders markantes Gebäude in Bad Godesberg ist die frühere chinesische Botschaft an der Kurfürstenallee, die inzwischen als Außenstelle dient. Das russische Generalkonsulat befindet sich an der Waldstraße in Schweinheim.
siehe dazu:
Weblinks und Quellen
- „Auslandsvertretungen im Bonner Regierungsviertel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-239593 (Abgerufen: 7. Februar 2026)
- www.botschaftstouren.de/tour-mit-dem-fahrrad
Weitere Informationen in der Reihenfolge der oben genannten Botschaften:
- Sarina Eßling (2023): „Botschaft der Arabischen Republik Syrien in Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345542 (Abgerufen: 7. Februar 2026)
- „Amerikanische Siedlung in Plittersdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-21745-20111110-15 (Abgerufen: 29. August 2023)
- wikipedia.org/Turmhof_(Plittersdorf)
- „Britische Botschaft”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-115508-20150220-2 (Abgerufen: 7. Februar 2026)
- wikipedia.org/Botschaft_der_Republik_Korea
- „Schloss Deichmannsaue in Rüngsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-316865 (Abgerufen: 7. Februar 2026)