Graurheindorf
Der Stadtteil Graurheindorf im Stadtbezirk Bonn liegt im Norden von Bonn am Rhein und grenzt an die Stadtteile Bonn-Castell und Auerberg. Bereits seit 1809 gehört der Ort zur Stadt Bonn.


In Graurheindorf fließt der Rheindorfer Bach in den Rhein. Grau-Rheindorf wird begrenzt vom Rhein, dem Bonner Hafen und den Bonner Ortsteilen Buschdorf, Castell und Auerberg und hat sich ein ländliches Straßenbild mit vielen Fachwerkhäusern (vor allem an der Estermannstraße) bewahrt. Der Ort im Norden des heutigen Stadtbezirks Bonn, schon zu Napoleons Zeiten nach Bonn eingemeindet, zeichnet sich vor allem durch seine direkte Rheinlage aus.
Als „Rindorp“ wird der Ort im Jahr 1131 erstmals samt Kirche und Burg erwähnt. 18 Jahre später gründeten die Zisterzieneserinnen in Rheindorf ein Kloster. Und da die braven Nonnen eine graue Ordenstracht trugen, hatte der Ort seinen Beinamen weg – bis in unsere Tage. Vielleicht konnte man so auch besser zwischen Rheindorf linksrheinisch und Rheindorf rechtsrheinisch (Schwarzrheindorf, hier siedelten Benediktinerinnen mit ihrer schwarzen Ordenskleidung) unterscheiden.
Der „Gebrannte“, ein wahrhaft teuflisches „Gesöff“, wird traditionell zur Grau-Rheindorfer Kirmes ausgeschenkt. Er besteht aus 48-prozentigem Weizenkorn und Kandiszucker sowie einer geheimen Zutat. Erinnert wird an den Ausbruch der Pest im Jahr 1666. Das Unterdorf, der nördlich des Bachs gelegene Teil, wurde damals von der Pest heimgesucht und es verstarben 127 Personen, immerhin ein Drittel der Bevölkerung des Unterdorfs, die im Kirchenbuch mit einem ›P‹ vermerkt wurden.
Die Rheindorfer Burg wurde 1689 zerstört und 1755 neu errichtet.
- vgl. dazu: www.bonn-graurheindorf.de/chronik
Graurheindorf war einst ein Winzerdorf, das sich in Form eines Straßendorfes entwickelt hat. Ehemalige Winzergehöfte verweisen noch auf das nördlichste Weinbaugebiet in Bonn, das bis 1904 belegt ist. Auch der heutige Lausacker gehörte früher dazu. Das heutige Landschaftsschutzgebiet Lausacker erstreckt sich über eine Gesamtfläche von ca. 20 Hektar zwischen Bach, Rhein und Siegmündung und stellt eine historisch gewachsene und ehemals extensiv genutzte Kulturlandschaft dar.
Im März 2021 wurde der "Historische Weg Graurheindorf" eröffnet. Er umfasst die Errichtung von Info-Tafeln an 15 verschiedenen Standorten am Ort.
- vgl. dazu: Historischer Weg Graurheindorf
Am Rheinufer
Von der Friedrich-Ebert-Brücke her, lässt sich der Bereich des Bonner Rheinhafens gut überblicken. In den ehemaligen Getreidesilos der früheren Auermühle befinden sich heute moderne Büros unmittelbar am Rhein.
An Rheinkilometer 658 befinden sich Hafen und Terminal direkt am offenen Strom. Mittels IT-gestützter Containerbrücken und Multifunktionskränen ist ein schneller Umschlag möglich sowie zügige An- und Abfahrten zu und von den Überseehäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam.
Zu den Rast- und Ruheplätzen am Rhein gehört die lange Bank unterhalb der Kirche St. Margareta, ebenfalls direkt am Rheinufer und am Rheinkilometer 659. Von dort ist es nur ein kurzer Weg hoch zum alten Ortskern.
Die Estermannstraße folgt in ihrem Verlauf durch den Ort der alten römischen Heerstraße. Die Bebauung entlang dieser Straße ist ein seltenes Beispiel eines fränkischen Straßendorfs.
In Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung von jüdischen Mitbürger/innen in der Zeit des Nationalsozialismus wurden am 23.6.2021 sog. Stolpersteine auf Höhe der Häuser Estermannstr. 100 (für die Ehepaare Levy und De Lewie) sowie der Estermannstr. 133 (für die Familie Mayer) verlegt.
- siehe dazu:
Burg Graurheindorf
Erstmals erwähnt wurde der Ort in einer Urkunde aus dem Jahr 1131, in der Kirche und Burg (Herrenhof) genannt werden. 1689 wurde die Graurheindorfer Burg zerstört und erst 1755 in ihrer heutigen Form als Herrenhaus wieder errichtet.
- siehe dazu: Burg Graurheindorf
Fähre
Im Norden endet Graurheindorf an der Anlegestelle der Mondorfer Fähre (Autofähre Graurheindorf-Mondorf).
Eine Fährverbindung zwischen Mondorf und Graurheindorf hat eine mehr als 1200-jährige Tradition. Wurden im Mittelalter Personen und Waren mit einem Nachen über den Rhein transportiert, verkehrt heute eine moderne Autofähre.
Kirche und Kloster
Vermutlich um 1149 wurde am Ort ein Kloster durch den Kölner Erzbischof Arnold I. gegründet. Der Name Graurheindorf nimmt offenbar Bezug auf die graue Farbe des Habits der Zisterzienserinnen (anders als im benachbarten Schwarzrheindorf, wo auf der anderen Seite des Rheins im 12. Jahrhundert ein Benediktinerinnenkloster entstand). Die heutige Pfarrkirche St. Margareta (auch: Margarethenkirche) in Graurheindorf entstand in zwei Bauphasen ab 1780 bis 1875. Nach der Aufhebung des Klosters in der Säkularisation und der anschließenden Neuordnung der kirchlichen Strukturen wurden die Klostergebäude Mitte des 19. Jahrhunderts vom damaligen Kölner Dombaumeister Vinzenz Statz im Stil der Neugotik vollkommen umgestaltet.
Literatur
- Karl Hoch, Grau - Rheindorf - Heimatbuch eines Bonner Vorortes 1149 – 1949, Festschrift aus Anlaß der Achthundertjahrfeier der Pfarrgemeinde St. Margareta zu Bonn- Grau-Rheindorf, Bonn 1949
Schulen
Streiflichter und Einblicke
- Alte Dorfschule Graurheindorf
- An der Rheindorfer Burg
- Auermühle Bonn
- Bonner Fahnenfabrik
- Bonner Hafen
- Bonner Rheinufer
- Burg Graurheindorf
- Ehemaliges Zisterzienserinnenkloster Graurheindorf
- Estermannufer
- Friedrich-Ebert-Brücke
- Historischer Weg Graurheindorf
- Mondorfer Fähre
- Rheindorfer Bach
- Villa Plüskow
- WetterOnline
Dat Blättche:
GA-Artikel:
Historischer Weg:
- Im März 2021 ist der "Historische Weg Graurheindorf" eröffnet worden. Das 2019 gestartete Projekt umfasst die Errichtung von Info-Tafeln an verschiedenen Standorten in Graurheindorf.
Vereine
- Ein ausführliches Vereinsregister (getrennt nach Sport- und sonstigen Vereinen) findet sich im Internet unter www.bonn.de/vereine.
- Ortsausschuss Grau-Rheindorf | Link
- TV Rheindorf 1911 e.V.
Weblinks und Quellen
- www.bonn-graurheindorf.de
- Familienbuch Graurheindorf 1637 - 1798, bearbeitet von Katharina Schulte, auf: wgff-shop.de.pdf
- Rainer Selmann, Rheinspaziert - Betrachtungen vom Ufer aus, (8) Hafen- und Pestgeschichten, in: Schnüss 10/ 2021, S. 8
- Rainer Selmann, Rheinspaziert - Betrachtungen vom Ufer aus, (9) Fähr-Bindungen, in: Schnüss 11/ 2021, S. 8
- Wikipedia-Eintrag
Kultur.Landschaft.Digital.:
- „Bonner Fahnenfabrik BOFA”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-255219 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Friedrich-Ebert-Brücke Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89009-20140324-2 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Mondorfer Fähre”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-253773 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Rheinufer zwischen Graurheindorf und Urfeld (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 424)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252359 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Zisterzienserinnenkloster Graurheindorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-13327-20110715-8 (Abgerufen: 23. Mai 2023)