Villa Plüskow

Die von Carl von Plüskow im Jahr 1860 erbaute Villa Plüskow stand bis zum Jahr 1981 am Hochufer des Rheins am Grau-Rheindorfer Estermannufer.
Im Jahr 1913 kauften die beiden Chemiestudenten Walter Gerhardt und Franz Kiel das Haus. Nach anderer Darstellung wurde die direkt am Rhein in der Estermannstraße 158 gelegene Villa zunächst gemietet. Walter Gerhardt war der Schwager von August Macke, mit dem er in der Villa viel Zeit verbrachte. Es heißt, für August Macke sei dort eigens ein Feldbett aufgestellt worden, damit er nächtens nicht den weiten Weg zu seiner Wohnung in der Bornheimer Straße (heute Macke-Haus) antreten musste. Es bildete sich hier im Jahr 1913 eine regelrechte kleine Künstlerkolonie, wozu es einige Skizzen Mackes gibt. Um Macke hatte sich im Frühsommer 1913 in Bonn ein Kreis von Künstlerkollegen gebildet, die sich in der Grau-Rheindorfer Villa zum Beisammensein und Arbeiten trafen. Seinerzeit wurde auch die Idee zur „Ausstellung Rheinischer Expressionisten“ geboren, die August Macke zielstrebig umsetzte.
Der Schriftsteller Karl Otten schilderte später die Atmosphäre vor dieser Ausstellung (zitiert nach Steger, Denise, Die Rheinischen Expressionisten, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: rheinische-geschichte.lvr.de am 06.04.2026): „Wir saßen in seinem Garten unter der Laube am Rhein und blinzelten in den strahlenden Sommer. Macke, Max Ernst, der zarte, bucklige Seehaus, der schlanke, unendlich begabte Franz Henseler, der aus München hierher verschlagen wurde. Manchmal tauchte Heinrich Nauen auf, und Franz Marc bestieg sein blaues Ross, um den Affenfries im Atelier auszumalen. Zwischendurch geisterte der schlauchartig sich windende Haru Engert umher, saß mit untergeschlagenen Beinen und schnitt Silhouetten. Aus unseren europäischen Gesprächen – wir betrachteten Köln und Bonn als Vororte von Paris, Wien und Rom – formte sich in Macke die Idee einer repräsentativen Ausstellung Rheinischer Expressionisten, die ohne jede Vorbereitung oder fremde Hilfe in den Tag sprang.“
Mackes Schwager Walter Gerhardt brachte die Künstlerfeiern auf den Punkt: „Es fing sehr lustig und stimmungsvoll an, endete aber mit unendlicher Besäuftheit bei Kolonisten und Gästen. Am anderen Morgen stürztest du (d.i. Macke) dich mit Henseler gleich in den Rhein." (zitiert nach Peter Dehring, Die Villa von Plüskow in Graurheindorf – Mythos und Realität einer „Künstlerkolonie“, in: Die Rheinischen Expressionisten - Der Schock der Moderne in Bonn, bearbeitet von Ruth Diehl und Peter Dehring, herausgegeben vom Verein August Macke Haus e. V., Bonn 1993, S. 49). An das morgendliche Bad im Rhein schloss sich zuweilen ein Spaziergang in Bademänteln auf dem Leinpfad an, manchmal auch eine Segelfahrt auf dem Segelboot „Bobbi“, das Walter Gerhardt gehörte.
Stimmungsvoller lesen sich die Erinnerungen von Mackes Ehefrau Elisabeth zu dieser Zeit: „Im Sommer [vermutlich 1913] kam abends oft eine fröhliche Gesellschaft zusammen. So aus den bürgerlichen Kreisen der kunstliebende Buchhändler Friedrich Cohen mit seiner schönen Frau Hedwig, geborene Bouvier, Lucia, die Schwester von Franz Kiel. […]. Ab und zu kam auch Paul Seehaus und aus dem nahen Brühl Max Ernst dazu. Es wurde dann ein langer Tisch unter den Bäumen, in denen Lampions aufgehängt waren, gedeckt. Für das leibliche Wohl sorgten dann meist meine Mutter und ich, ebenso Frau Cohen. Wir richteten zu Hause Brote und alles, was zu guten Bowlen nötig war […]. Zu später Stunde sang Franz Kiel alte Lieder zur Laute, was sehr schön in diese stimmungsvollen Stunden paßte, wo man die wenigen Lichter von den liegenden Schleppern in den dunklen Wassern des Rheins glitzern sah.“ (zitiert nach floerken.eu/macke/plueskow)
Spätestens mit dem Ersten Weltkrieg endete auch die Zeit der Bonner Künstlerkolonie. Sechs Wochen nach Kriegsbeginn war August Macke tot - er fiel am 26. September 1914.
Franz Kiel verkaufte die Villa Plüskow im Jahr 1932 und der neue Besitzer ließ zur Rheinseite hin den Namen seiner Frau anbringen, was der Villa in der Bevölkerung ihren neuen Namen einbrachte.
Im Jahr 1981 wurde die klassizistische Villa abgerissen, nachdem kurz zuvor noch Denkmalschutz beantragt worden war. Inzwischen steht dort ein Neubau.
siehe auch
Weblinks und Quellen
- Villa Plüskow auf bonn-graurheindorf.de
- Rainer Selmann, Rheinspaziert - Betrachtungen vom Ufer aus, (9) Fähr-Bindungen, in: Schnüss 11/ 2021, S. 8