Walls of vision

WALLS OF VISION, ein Projekt der gemeinnützigen Dr. Hans Riegel Stiftung, will historische Kunstgüter einer breitgefächerten Öffentlichkeit kostenlos zugänglich machen.
Dazu werden historische Kunstwerke in die heutige Zeit transferiert und in Form von Fassadenkunstwerken der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Die Projektreihe wurde im Sommer 2019 in Köln-Kalk begonnen und ist inzwischen auch in Bonn angekommen.
Sie reicht bis zum Kulturbunker Poppelsdorf, wo in 2025 an der großen Fassade eine Winterlandschaft gestaltet wurde und der Bunker zugleich als Kunstort etabliert wurde.
Bonner Beispiele





Ein vielbeachtetes Fassadengemälde ist auf einer Hausfassade an der vielbefahrenen Reuterstraße (Ecke Bonner Talweg) entstanden, eine Interpretation von Henry Sandhams „Bicycling“. Das Künstler-Team von HIGHLIGHTZ wählte das Aquarell aus dem Jahr 1887 als Vorlage für ein Gemälde, das eine Gruppe von Radfahrer/-innen auf einem Feldweg inmitten einer Herbstlandschaft zeigt.
Ein weiteres Bonner Beispiel entstand als Projekt „2,7 Grad“ auf einer Hausfassade ganz in der Nähe des Bonner Petruskrankenhauses. Der Künstler Case Maclaim, auch als Andreas von Chrzanowski bekannt, interpretierte hier ein Gemälde von Johannes Lingelbach mit dem Titel "Rast vor einer Schenke in südlicher Landschaft", indem er das historische Gemälde aus der Mitte des 17. Jahrhunderts mit Elementen des Klimawandels kombinierte.
Und seit Mai 2024 ist an der Bonner Kölnstraße eine zeitgenössische Interpretation von Henri Rousseaus historischem Kunstwerk "Woman Walking in an Exotic Forest" (Femme se promenant dans une forêt exotique aus dem Jahr 1905) an der Fassade des Bonner Finanzamtes zu sehen. Shaleen Faussner ist die Schöpferin des Fassadenkunstwerks, eine Mahnung an die Erhabenheit und Übermacht der Natur.
Im Jahr 2025 kam ein Projekt am Bonner Hochstadenring hinzu. Kurz bevor der Bonner Künstler August Macke im Ersten Weltkrieg starb, hatte er 1914 das Kunstwerk „Mädchen mit blauen Vögeln“ geschaffen. Die Kunststudentin Marie Hesse hat es an einer Fassade am Hochstadenring neu interpretiert, allerdings ohne Mädchen, dafür stehen Graureiher als blaue Vögel im Mittelpunkt.
Am Kulturbunker Poppelsdorf entstand im gleichen Jahr eines der bekanntesten Fassadenkunstwerke der Reihe, eine Neuinterpretation des Gemäldes „Winterlandschaft“ des holländischen Malers Aert van der Neer.
Im Oktober 2025 folgte am Friedensplatz/ Ecke Kasernenstraße zum Jubiläum „200 Jahre Bonner Karneval“ ein Fassadengemälde nach dem Motiv „Prinz Heinz V. Karneval 1936 in Bonn“ des Bonner Malers Carl Nonn (1877–1949). Das Gemälde stammt aus einer Zeit, als der Bonner Karneval im Jahr 1936 bereits gleichgeschaltet war, einschließlich der regimeunterstützenden Unterhaltung, wobei über Motivwagen, Lieder und Büttenreden auch politische und ideologische Vorstellungen verbreitet wurden.
Im Rahmen der Mentorenprogramme, die ab Oktober 2025 begannen, hat der Kunststudent Andrew Friedrich dann an einer Fassade an der Beueler Friedrich-Breuer-Straße eine zeitgenössische Neuinterpretation von Caspar David Friedrichs berühmtem Gemälde der Rügener Kreidefelsen geschaffen, in Beuel als Felsen im Blättermeer gestaltet.
Auch am Buchladen „Der kleine Laden e.V." am Friedensplatz/ Ecke Budafokpark in Bonn wurde ein großformatiges Fassadengemälde (Mural) realisiert, inspiriert von Spitzwegs Bild „Der Bücherwurm“ (um 1850). Anstelle eines Gelehrten, der völlig in seine Lektüre vertieft ist, steht am Bonner Budafokpark ein lesendes Kind im Mittelpunkt zu dem sich ein phantasievoller Bücherwurm mit Hut gesellt. Das Kunstwerk wurde am 6. Mai 2026 eingeweiht.