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200 Jahre Bonner Karneval

Aus Bonn.wiki
Wandgemälde am Bonner Friedenplatz/ Ecke Friedrichstraße nach dem Motiv „Prinz Heinz V. Karneval 1936 in Bonn“ des Bonner Malers Carl Nonn (1877–1949). Das Gemälde stammt aus einer Zeit, als der Bonner Karneval im Jahr 1936 bereits gleichgeschaltet war, einschließlich der regimeunterstützenden Unterhaltung, wobei über Motivwagen, Lieder und Büttenreden auch politische und ideologische Vorstellungen verbreitet wurden.

Der Karneval hat auch in Bonn eine lange Tradition. Mit dem Ende der kurfürstlichen Herrschaft übernahm die bürgerliche Gesellschaft die Gestaltung des Festes. 1826 gründeten Bonner Bürgerinnen und Bürger die „Bönnische Carnevals-Gesellschaft“ und veranstalteten am 5. Februar eine Aufführung der komischen Oper „Die Dorfdeputierten“, einem bereits am 8. Mai 1783 erstmals im Salvatortheater in München aufgeführten komischen Singspiel von Johann Lukas Schubaur, das mit Ironie das ländliche Leben und die Darstellung einfacher Dorfbewohner zum Inhalt hatte.

Ab 1826 übernahm ein Komitee dann die Organisation des Bonner Karnevals. Es änderte im Laufe der Jahre mehrfach seinen Namen und nannte sich unter anderem „Carnevals Festordnendes Comitè“ oder „Karnevals-Comitee“. Zwei Jahre nach der Gründung der „Bönnische Carnevals-Gesellschaft“ organisierte es am 18. Februar 1828 den ersten Bonner Rosenmontagszug, damals weniger ein ausgelassenes Volksfest als vielmehr ein repräsentativer Umzug mit Figuren aus dem höfischen Leben, das an Bonns Zeit als Residenzstadt der Kölner Kurfürsten erinnerte. Bereits damals wurde für den Zoch ein Motto ausgewählt und die Rollen des Prinzen Karneval (zu jener Zeit noch als „Hanswurst“ bezeichnet) und der Laetitia, der späteren Bonna, vergeben.

Im Jubiläumsjahr 2026 lautet in Bonn das Karnevals-Motto: „200 Jahre Bonner Karneval – jestern, hück und morje“. Erinnert wird an die Gründung der „Bönnische Carnevals-Gesellschaft“ am 5. Februar 1826, seit 1882 „Große Bonner Karnevals-Gesellschaft. Tatsächlich blickt die Stadt allerdings auf eine deutlich längere „jecke“ Geschichte zurück, deren Wurzeln bis ins Jahr 1585 reichen. Und der erste organisierte Rosenmontagszug wurde bereits 1731 erwähnt.

Ausstellung

Wanderausstellung 200 jecke Johr in 2026

Anlässlich der Gründung der „Bönnischen Carnevals-Gesellschaft“ zeigt das Kulturamt der Bundesstadt Bonn ab Januar 2026 eine Wanderausstellung zur 200-jährigen Geschichte des Bonner Karnevals. Die Ausstellung „Loss mer fiere. 200 jecke Johr en Bonn“ reist bis Oktober 2026 in einem Container durch alle Stadtbezirke.

Die vom LVR geförderte Ausstellung zeigt rund 30 ausgewählte Objekte und vermittelt die Geschichte, Kultur und Bedeutung des Bonner Karnevals. Sie ist bis Oktober 2026 an fünf Standorten in Bonn zu sehen.

Bonn steht Kopp

Ruusemondagszoch

Schon seit etwa 800 Jahren wird im Rheinland Karneval gefeiert, für Bonn im Jahr 1585 belegt. Die Menschen feierten vor der Fastenzeit ausgelassen und kostümieren sich bunt.

Angeführt wird die Narrenschar auch heute durch einen Adel auf Zeit: in Bonn von Prinz und Bonna, in Bad Godesberg von Prinz und Godesia, in Beuel von der Wäscherprinzessin, in Limperich, Küdinghoven und Ramersdorf von der „LiKüRa“-Prinzessin.

An Weiberfastnacht (stets der Donnerstag vor Rosenmontag) startet der Straßenkarneval: Ab 11 Uhr 11 wird in allen Stadtbezirken und Ortsteilen auf den Strassen und in den Kneipen bis tief in die Nacht gefeiert. In Beuel erstürmt (seit den 50 Jahren des vorigen Jahrhunderts) die Wäscherprinzessin mit ihren Wäscherinnen, den Möhnen und der Obermöhn sowie den diversen Damenkomitees das Rathaus; bislang haben die Männer immer noch kapituliert. Im Anschluss feiern die „Wiever“ (Weiber) ihren Sieg mit dem Weiberfastnachtszug.

Am Freitag, Samstag und Sonntag finden in Bonn und Umgebung verschiedene Straßenumzüge statt, bei denen zahlreiche Zuschauer am Straßenrand mitfeiern, etwa am Sonntag der Liküra-Zug.

Höhepunkt auch des Bonner Straßenkarnevals ist der Rosenmontagszug, wenn Tausende närrische Teilnehmer zu Fuß oder auf einem der zahlreichen Festwagen Kamelle werfend und musizierend durch die Innenstadt ziehen. Am Aschermittwoch ist schließlich alles vorbei, der Karnevalskater wird mit einem Fischessen bekämpft und der leere Geldbeutel im Rhein ausgewaschen.

Soviel Frohsinn muss natürlich organisiert und kanalisiert werden – in Ausschüssen und Vereinen. Oberste Bonner Institution ist der Festausschuss Bonner Karneval e.V., der seit 1951 besteht und dem zahlreiche Karnevalsgesellschaften und –vereine angehören.

Zu den großen Bonner Gesellschaften zählen u.a. die Ehrengarde der Stadt Bonn/ Vaterstädtischer Verein e.V., die Bonner und die Beueler Stadtsoldaten, die Wiesse Müüs, die Große Dransdorfer Karnevals-Gesellschaft (GDKG) oder die Fidelen Burgherren (Bad Godesberg).

Historisches

Jubiläumssession 2026

SWB-Plakat zum Karneval 2025 in Bonn

Die Session 2025/26 steht unter dem Motto „200 Jahre Bonner Karneval – jestern, hück und morje“.

Damit wird besonders an die Gründung der „Bonner Carnevals-Gesellschaft“ im Jahr 1826 erinnert, Vorläuferin des heutigen Festausschusses. Die Bundesstadt Bonn unterstützt das Jubiläum „200 Jahre Bonner Karneval“ mit einem Zuschuss von 20.000 Euro.

Dazu fand die offizielle Auftaktveranstaltung „200 Jahre Bonner Karneval“ am Montag, 17. November, ab 19 Uhr im Opernhaus statt. Zwei weitere wichtige Termine, auf die sich nicht nur der aktuelle Prinz Roland I. und Bonna Stephanie III. freuen konnten, waren die Proklamation des Bonner Prinzenpaares am Freitag, 9. Januar 2026 im Maritim Hotel und der Bonner Rosenmontagszug am 16. Februar 2026.

Zum Jubiläum der „Bönnischen Carnevals-Gesellschaft“, die im Jahr 1826 gegründet wurde, zeigte das Kulturamt der Stadt Bonn ab Januar 2026 eine Container-Wanderausstellung zur 200-jährigen Geschichte mit dem Titel „Loss mer fiere. 200 jecke Johr en Bonn“ (s.o.).

Auch der Deutsche Post Marathon Bonn am 19. April 2026 steht ganz im Zeichen des 200-jährigen Jubiläums. Unter dem Motto „Laufend jeck!“ verbindet er sportliche Leidenschaft mit rheinischer Lebensfreude. 

Karnevalsorden

Die Ursprünge der Karnevalsorden liegen im Rheinland. In Bonn begann der Brauch um das Jahr 1880. In dieser Zeit war der Karneval geprägt von satirischen Anspielungen auf die preußische Besatzung, die das Rheinland ab 1822 kontrollierte. Um den preußischen Militarismus und die Vorliebe der Preußen für Orden humorvoll zu parodieren, entstanden die uniformierten Karnevals-Corps. Als Ausdruck des Spotts verliehen die Corps ihre eigenen Karnevalsorden, die heute oft sehr ernst genommen werden.

siehe auch