Poppelsdorf

Poppelsdorf ist ein Stadtteil im Stadtbezirk Bonn.
Nicht erst seit Willi Ostermanns Karnevals-Lied über die „Schmitze Billa“, die „in Poppelsdorf `ne Villa“ hat, ist der Ort über die Grenzen Bonns hinaus bekannt.
Poppelsdorf liegt etwa in der Mitte des Bonner Stadtgebietes. Im Norden grenzt die Weststadt an, im Nordosten die Südstadt, im Südosten Kessenich, im Süden Venusberg und Ippendorf, im Südwesten Lengsdorf und im Westen Endenich. Das Poppelsdorfer Zentrum mit Geschäften und Lokalen befindet sich besonders an der Clemens-August-Straße.
Poppelsdorf hat heute etwa 6.500 Einwohner. Absolut einen Besuch wert ist das Poppelsdorfer Schloß samt den Botanischen Gärten der Universität Bonn. Und natürlich das Poppelsdorfer Straßenfest (stets an einem Samstag und etwa Mitte September). Für das Fest mit allerlei Kunst und Kulinarischem werden die Clemens-August-Straße und der Clemens-August-Platz gesperrt und zur erlebnisreichen Flaniermeile umgestaltet.
„Clemensruhe“



Aus der Ortsgeschichte
Poppelsdorf, 1904 gemeinsam mit Nachbardörfern nach Bonn eingemeindet, kann auf eine bewegte und bewegende Geschichte zurückblicken.
Der Ort entstand als fränkische Straßensiedlung entlang der alten Fernverbindung von Bonn nach Trier, die hier durchs Melbtal und über den Kreuzberg führte.
Erstmalig erwähnt wurde er vor über 1000 Jahren in einem Güterverzeichnis der Probstei des Bonner Münsters. Vom Mittelalter bis zur französischen Besatzung gehörte er der „Herrlichkeit Poppelsdorf“ an, die auch den Kreuzberg sowie Ippendorf und Endenich umfasste.
vgl. dazu: poppelsdorfer-geschichte.de
Kurkölnischer Verwaltungssitz
Eine ungewöhnliche, weil zweiteilige Wasserburg war lange Zeit der kurkölnische Verwaltungssitz am Ort, wurde aber im Truchsessischen Krieg (1583) arg lädiert.
- vgl. dazu: poppelsdorfer-geschichte.de/ortschronik
1715 begann Kurfürst Joseph Clemens damit, anstelle der Burg ein Schloss zu errichten, das von seinem Nachfolger Kurfürst Clemens August erweitert und vollendet wurde, das Poppelsdorfer Schloss „Clemensruhe“.
Etwa um diese Zeit entstanden auch das Wasserträgerhaus und die kurfürstliche „porcelaine fabrique“, Vorläufer eines Industriezweiges, der im 19. Jahrhundert durch die Wesselwerke mit ihrer Steingutfabrikation vielen Poppelsdorfern Brot und Lohn gab. Später kam noch die Büroartikel-Fabrik Soennecken hinzu, die zweite und schließlich größere Poppelsdorfer Industriefirma, die ab 1884 zwischen Jagdweg und Kirschallee entstand und vor dem ersten Weltkrieg bis zu 3000 Beschäftigte hatte sowie Außen-Vertretungen in fast allen Kontinenten. Bis zum Ende der 1960-er Jahre wurde produziert, bevor die Firma 1973 ihre Pforten schließen musste, drei Jahre nach dem Abbruch der Wessel-Fabrikhallen.
1818 schon war das Poppelsforfer Schloss in den Besitz der Universität übergegangen, die im Laufe der Jahrzehnte weitere Standorte in Poppelsdorf gründete, so die heutige Landwirtschaftliche Fakultät. 1863 lehnte der Bonner Stadtrat den Wunsch der Poppelsdorfer auf Eingemeindung mit der Begründung ab, der Ort sei zu arm.
Aber Poppelsdorf gedieh: 1888 wurde der Grundstein für die Sankt-Sebastianus-Kirche gelegt, 1892 das Marienhospital eingeweiht, 1901 der Grundstein für die Lutherkirche gelegt, 1902 die Synagoge eingeweiht. Sie fiel 1938 wie die anderen Bonner Synagogen auch dem vom Nazi-Mob gelegten Feuer zu Opfer. 1945, nach einem Luftangriff, wurde das Schloss fast vollständig zerstört.
Das Poppelsdorfer Schloss ist inzwischen längst wiederhergestellt (seit 1959), die Clemens-August-Straße mit ihren vielen „Zahnlücken“ wurde in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgebaut, die Lücken wurden weitgehend geschlossen. Nach rund 120 Jahren seit der Eingemeindung fällt es selbst Einheimischen schwer, noch die ehemaligen Gemeindegrenzen zu erkennen; Bonn geht nahtlos nach Poppelsdorf über und umgekehrt.
- vgl. dazu: Ortschronik des Fördervereins Poppelsdorfer Geschichte e.V. - www.poppelsdorfer-geschichte.de
Poppelsdorfer Heimatmuseum Stöcker
Mehr als 300 Exponate und andere Informationsträger lassen die Poppelsdorfer Geschichte wieder lebendig werden – vor allem aus der kurfürstlichen Zeit (Clemens August hatte sich ja den Ort für sein Schloss „Clemensruhe“, heute Poppelsdorfer Schloss, auserkoren) und aus dem Industriezeitalter bis in unsere Tage. Benannt wurde die 1953 begonnene Sammlung nach ihrem Begründer, dem damaligen Pfarrer Stöcker, nach dem in Poppelsdorf auch der Rudolf-Stöcker-Weg benannt ist.
- Adresse: Sternenburgstraße 23, 53115 Bonn
Gastronomie

Nicht nur wegen der Hochschulinstitute ist Poppelsdorf bei der Studentenschaft beliebt.
Längs der Clemens-August-Straße (auch: „Poppelsdorfer Meile") haben sich viele Cafés, Kneipen und Restaurants mit einem vielfältigen Angebot angesiedelt, die nicht zuletzt für ein quirliges (Nacht-)Leben sorgen – quasi das „Schwabing“ von Bonn.
(bitte die folgende Auswahl ergänzen!)
- Café Kurt | El Tarascon | Gesindehaus | Havanna | La Riviera | Meyers Speis und Trank | Nees | Schloss-Café | …
siehe dazu auch:
Kirchen

Mit dem Bau der örtlichen Sankt-Sebastianus-Kirche wurde 1888 begonnen. Sie entstand nach den Plänen des Architekten Gerhard Franz Langenberg als dreischiffiges Gebäude mit neuoromanischen und neogotischen Elementen. Bis zum Jahr 1890 waren Chor und Mittelschiff fertiggestellt, bis zum Jahr 1908 auch das Joch und die Fassade mit Glockenturm.
Die evangelische Lutherkirche ist nach der Schlosskirche im Universitäts-Hauptgebäude und der Kirche am Kaiserplatz (heute: Kreuzkirche) ist die Lutherkirche die drittälteste evangelische Kirche im heutigen Stadtbezirk Bonn. Ihr Bau war notwendig geworden, weil mit der preußischen Regentschaft im 19. Jahrhundert immer mehr Protestanten in Bonn und den umliegenden Ortschaften wie Poppelsdorf wohnten. Heute wird von der Lutherkirche aus nicht nur Gemeindearbeit geleistet – auch Musik und Bildende Kunst haben hier eine Heimat gefunden.
Kultur

Die Kultur in Poppelsdorf ist stark vom studentischen Leben und lebendigen Stadtteilfesten geprägt. Zu den Höhepunkten gehören der kulturell genutzte Kulturbunker Poppelsdorf oder das sommerliche Campus Festival.
- vgl. dazu: Kulturbunker Poppelsdorf
Der Förderverein Poppelsdorfer Geschichte e.V. bietet regelmäßig Ausstellungen, Diskussionsrunden und historische Führungen an.
Die gemeinnützige Hans-Riegel-Stiftung hat den ehemaligen Studentenbunker in Poppelsdorf für die Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht und zum Kulturbunker umgestaltet. Hier befindet sich eines der bekanntesten Fassadenkunstwerke der Reihe Walls of vision, eine Neuinterpretation des Gemäldes „Winterlandschaft“ des holländischen Malers Aert van der Neer durch den bekannten Urban-Art-Künstler Case Maclaim.
Literatur
- Poppelsdorfer Geschichtsblätter - Geschichte und Geschichten aus Poppelsdorf, hrsg. vom Förderverein Poppelsdorfer Geschichte e.V. (erscheinen seit 2017)
- Poppelsdorf - Chronik 1904-2004, Festschrift 100 Jahre Ortsteil von Bonn, Herausgeber: Förderverein Poppelsdorfer Geschichte e.V., 2004
- Zwischen Waldau und Weiher – Poppelsdorf und das Melbtal, erschienen als Festschrift für Helmut Uessem zum 85. Geburtstag, Herausgeber: Förderverein Poppelsdorfer Geschichte e.V., 2011
Melbtal

Das vom Melbbach (auch Engelbach oder Poppelsdorfer Bach) geschaffene Tal liegt in etwa zwischen Venusberg/ Ippendorf und Poppelsdorf. Das etwa drei Kilometer lange Waldgebiet war einst mit Mühlen besetzt und wurde im 18. Jahrhundert zu einem Landschaftspark gestaltet.
Am unteren Ende liegt das Melbbad, das am 16. August 1952 auf einem 70.000 Quadratmeter großen Talgelände in Poppelsdorf eröffnet wurde. Seit August 2020 ist das Freibad erneut geschlossen, nachdem Starkregen einen Teil der Technik zerstörte.
Im Tal bzw. an den Talhängen liegen außerdem der (Melbgarten) der Botanischen Gärten und das Sportwissenschaftliche Institut der Universität.
- vgl. dazu: Melbtal
Naturlehrpfad


Auf Anregung der Initiative Landschaftsschutz im Wingert entstand der Naturlehrpfad Im Wingert. Er führt durch den Wingert, den historischen Weg durch den Grünbereich in Poppelsdorf. Die Fläche gehört zum Landschaftsschutzgebiet „LSG-Freiraeume um Lengsdorf, Ippendorf und Venusberg“.
Vom Clemens-August-Platz in das Melbtal hinein ist der Naturlehrpfad entstanden. Der Weg verläuft zwischen dem Sebastian Dani - Altenheim und dem Schalöttchen. Die offizielle Eröffnung fand am 11. Februar 2023 statt.
Schulen
- Clemens-August-Schule Poppelsdorf
- Johannesschule Poppelsdorf
- Emilie-Heyermann-Realschule
- Ludwig-van-Beethoven-Musikschule
Strassen
- siehe dazu: www.poppelsdorfer-geschichte.de/poppelsdorfer-strassen; beschrieben werden werden:
- Argelanderstraße | Beringstraße | Bennauerstraße | Blücherstraße | Burggartenstraße | Carl-Troll-Straße | Clemens-August-Straße | Ermekeilstraße | Fridtjof-Nansen-Straße | Hartsteinstraße | Kekulé-Straße | Karlrobert-Kreiten-Straße | Rehfuesstraße | Rudolf-Stöcker-Weg | Sternenburgstraße | Troschelstraße | Wielsgässchen und Wilhelm-Levison-Straße.
Streiflichter und Einblicke



- Botanischer Garten
- Campus Poppelsdorf
- Clemens-August-Platz
- Clemens-August-Straße
- Ehemalige Bürgermeisterei Poppelsdorf
- Ehemaliger Hoppegarten Poppelsdorf
- Friedhof Poppelsdorf
- Gesindehaus
- Gut Melb
- Havanna
- Hochbunker Poppelsdorf
- Kekulé-Denkmal Poppelsdorf
- Kreuzberg
- Kulturbunker Poppelsdorf
- Ludwig-van-Beethoven-Musikschule (Kirschallee 23)
- Lutherkirche
- Marienhospital
- Melbbad
- Melbtal (mit Melbgarten)
- Naturlehrpfad Im Wingert
- Poppelsdorfer Allee
- Poppelsdorfer Friedhof
- Poppelsdorfer Heimatsammlung Stöcker
- Poppelsdorfer Meile
- Poppelsdorfer Platz
- Poppelsdorfer Schloss
- Sankt-Sebastianus-Kirche
- Sebastian-Dani-Altenheim
- Soennecken-Werk in Poppelsdorf
- Sternenburg Poppelsdorf
- Sternenburgstraße
- Synagoge Poppelsdorf
- Wasserträgerhaus Poppelsdorf
- Wesselwerke in Poppelsdorf
Universitätscampus Poppelsdorf

Der Campus Poppelsdorf der Universität Bonn beherbergt mehrere Fakultäten. Er erstreckt sich über ein Areal von mehr als 15 Hektar Größe, das früher insbesondere von der Landwirtschaftlichen Fakultät genutzt wurde. Seit diese Einrichtungen auf Standorte außerhalb der Stadt verlagert worden sind, entsteht der zentrumsnahe Campus Poppelsdorf mit zahlreichen Neubauten für Forschung und Lehre.
Vereine
- Ein ausführliches Vereinsregister (getrennt nach Sport- und sonstigen Vereinen) findet sich im Internet unter www.bonn.de/vereine.
- Förderverein Poppelsdorfer Geschichte e.V.
- Ortsbund Poppelsdorf
Weitere Informationen
- Ruth Willitzkat und Torsten Willitzkat , Zu Fuß durch Bonn - 12 Spaziergänge, August 2025, S. 72 ff.
(Poppelsdorf und Südstadt)
Weblinks und Quellen

- www.poppelsdorf.de
- Ortschronik des Fördervereins Poppelsdorfer Geschichte e.V. - www.poppelsdorfer-geschichte.de
- Wikipedia-Eintrag
Kultur.Landschaft.Digital.:
- „Altes Chemisches Institut der Universität Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-30700-20120116-2 - von Julia Voigt (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Botanischer Garten der Universität Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-30385-20120116-2 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Hochbunker in Poppelsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-276728 (Abgerufen: 22. April 2024)
- „Nussallee in Poppelsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-31021-20120117-2 (Abgerufen: 23. Mai 2023)

- „Poppelsdorfer Allee”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-34220-20120125-2 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Poppelsdorfer Fayence Manufaktur”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-301168 (Abgerufen: 21. April 2024)
- „Poppelsdorfer Schloss”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-279027 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Synagoge Poppelsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343583 (Abgerufen: 23. Mai 2023)
- „Werksgelände der Firma Soennecken”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57862-20121202-2 (Abgerufen: 1. Mai 2023)