Honnefer Volkszeitung
Die Honnefer Volkszeitung (HVZ) war eine regionale Zeitung aus Bad Honnef, die von 1883 bis 2002 erschien. 121 Jahre lang wurde über das Geschehen im Siebengebirge berichtet, bevor das Blatt die Veröffentlichung seiner Ausgaben einstellte und Titel und Archiv der General-Anzeiger in Bonn übernahm.
Sie erschien zuletzt mit einer Auflage von rund 6.500 Zeitungen und galt als kleinste aktuelle Zeitung in Deutschland.
Geschichte
Die Ursprünge der HVZ reichen bis 1883 zurück. Bereits am 24. Dezember 1881 war die Honnefer Zeitung erschienen, die 1886 von Karl Werber übernommen wurde und im Jahr 1890 mit der HVZ fusionierte. Ein langjähriger Mitarbeiter war Franzjosef Schneider, Honnefer Original, Karnevalist und Heimatdichter.
Zunächst erwarb im Jahr 1886 Karl Werber den Betrieb und begründete eine Familientradition, die mehr als acht Jahrzehnte dauerte und ab 1929 von Fritz Werber fortgeführt wurde.
Während des Nazi-Regimes entwickelte sich die HVZ zunehmend zu einer „linientreuen“ Zeitung in der Region. In einer Auswertung zu den Artikeln dieser Zeit heißt es dazu: „Die Texte .. erwecken den Eindruck, das sie nicht mehr von Journalisten sondern von Propagandisten geschrieben und dann eins zu eins gedruckt wurden“ (Merle Müller, Die Darstellung der Nationalsozialisten in der regionalen Presse, auf: hagerhof.de (pdf)).
Ab 1945 stellte die HVZ ihr Erscheinen vorübergend ein, bevor sie 1949 erneut erschien, bis 1969 im Verlag der Familie Werber. Nach dem Tod von Fritz Werber im Jahr 1965 übernahm zunächst seine Witwe Nettchen Werber die Leitung. Klemens Hoffstadt war Chefredakteur der HVZ. Danach wurde die Zeitung ab 1969 von Franz-Josef Kayser übernommen, zuleich langjähriger Bürgermeister von Bad Honnef.
- vgl. dazu: ga.de vom 28. Juni 2002
Der prominenteste Bezieher der Zeitung war wohl Konrad Adenauer aus dem Stadtteil Rhöndorf, insgesamt gab es zuletzt 6.500 gemeldete Abonnenten. Als vierter Herausgeber gestaltete Bad Honnefs letzter ehrenamtlicher Bürgermeister Franz Josef Kayser persönlich die Seite 1 der HVZ, die vormittags ausgetragen wurde und 86 Prozent der Haushalte in ihrem Verbreitungsgebiet erreicht haben soll.
Titel und Archiv wurden zum Ende dem Bonner „General-Anzeiger“ übertragen, der die „Honnefer Volkszeitung“ als Lokalteil fortführte mit dem letzten HVZ-Chefredakteur Victor Francke als Lokalreporter.
Unter dem Titel „Honnefer Sonntagszeitung“ (HSZ) erschien dann in den Jahren 2002 bis 2006 in Bad Honnef noch ein Nachfolgeprodukt, bevor dessen Verleger Patrick Stolle die letzte Nummer herausgab. Etwa 2000 Exemplare reichten nicht für das Überleben von Deutschlands kleinster Sonntagszeitung.
Literatur
- Victor Francke, Nach 121 Jahren ... stellte die Honnefer Volkszeitung ihren Betrieb ein – wie eine Stadt ihre Stimme verlor, in: Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises 2004, S. 162–165
Weblinks und Quellen
- Verfügbare digitale Ausgaben - zeit.punkt NRW
- Welt am Sonntag vom 3.9.2006: Aus für die kleinste Zeitung
- Wikipedia-Eintrag