Kaiserplatz

Der Kaiserplatz in Bonn ist ein innerstädtischer Platz zwischen dem Westflügel des Uni-Hauptgebäudes (ehemaliges Stadtschloss) und der Bundesbahnstrecke Köln-Koblenz, letzten Endes eine Verlängerung der Poppelsdorfer Allee, die einst vom Stadtschloss bis zum Poppelsdorfer Schloss führte, heute unterbrochen durch die Bahnlinie.
Ein Platz entstand hier im Jahr 1871 mit dem Bau der evangelischen Kreuzkirche, der drei Jahre später den Namen Kaiserplatz erhielt, vermutlich nach Kaiser Wilhelm I. (1797-1888).
Das von Harro Magnussen geschaffene und 1906 enthüllte Marmorstandbild von Kaiser Wilhelm I. stand jedenfalls bis 1945 an der Universität Bonn mit Blick in Richtung Kaiserplatz und Poppelsdorfer Allee und wurde im Rahmen der Ausstellung "Bonn in der Kaiserzeit" im Jahr 1989 an seinem jetzigen Standort am südlichen Ende des Kaiserplatzes und in Blickrichtung zum Busbahnhof wieder errichtet.
Heute gibt es am Kaiserplatz neben dem Kaiserbrunnen auch einen modernen Marmor-Brunnen und sommers auch einige Straßencafés und Biergärten unter schattigen Platanen.
Brunnen am Kaiserplatz
- Foto: Hans-Dieter Weber.
Ein runder Springbrunnen (Kaiserbrunnen) aus der Zeit um 1950 liegt im nördlichen Bereich des Kaiserplatzes, unweit der Fußgängerunterführung zur Poppelsdorfer Allee. In den 1960-er Jahren war der Brunnen am Kaiserplatz gegenüber der Kaiserhalle ein beliebter Treffpunkt für zumeist langhaarige Jugendliche, von Erwachsenen damals auch gerne als „Gammler“-Treffpunkt bezeichnet.
Vom ursprünglichen Heringsmädchen-Brunnen am Kaiserplatz (aus der Zeit um 1900) ist heute nur noch die gusseiserne Schale erhalten, die am Drei-Grazien-Brunnen am Dreieck weiterverwendet wurde.
Ein weiterer Brunnen steht am Kaiserplatz in der Nähe der Straße Am Neutor, eine imposante dreiteilige Springbrunnenanlage, ebenfalls in der historischen Sichtachse zur Poppelsdorfer Allee und zum Poppelsdorfer Schloss. Die Brunnenanlage besteht aus rotem Granitstein (Alkali-Granit), entstand nach einem Entwurf der Landschaftsarchitekten Raderschall, Möhrer und Peters und wurde 1979 am Kaiserplatz aufgebaut.
Kreuzkirche und Kaiserhalle

Am Kaiserplatz steht die evangelische Kreuzkirche. Seit 1871 ist sie die Kirche der Kreuzkirchengemeinde und zugleich die evangelische Stadtkirche von Bonn. Mit 1.200 Sitzplätzen ist sie die größte evangelische Kirche im Rheinland und in Bonn. Die Kirche entstand nach den Plänen des damaligen Bonner Universitätsbaumeisters August Dieckhoff. Mit der Herrschaft der Preußen war auch der Protestantismus ins ansonsten mehr oder weniger rein katholische Rheinland gekommen. Die Schlosskirche im Uni-Hauptgebäude reichte jedenfalls schon bald nicht mehr aus. Deshalb fand 1866 die Grundsteinlegung für die „Kirche am Kaiserplatz“ statt – die evangelische Gemeinde war zu dieser Zeit bereits auf etwa 2.500 Gläubige angewachsen.
Auf dem Kaiserplatz stand bis in die 1960-er Jahre auch die Kaiserhalle, eine „Location“ für Veranstaltungen aller Art, der Alteingesessene immer noch nachtrauern. Sie entstand in den 1870er-Jahren nach Plänen des Kreisbaumeisters in Siegburg Wilhelm Eschweiler. Bis zum 2. Weltkrieg diente die Halle in erster Linie Burschenschaften für ihre Treffen, bevor das Gebäude im Jahr 1944 zerstört und dann in der Mitte der 1950-er Jahren wieder errichtet wurde. Letztlich musste sie dem U-Bahn-Bau und dem heutigen Busbahnhof weichen.
Mahnmal

Am 24. September 1950 wurde das Mahnmal im Hofgarten eingeweiht, das an die verfolgten und ermordeten Bonner Bürgerinnen und Bürger der NS-Zeit erinnert. Seit 1997 befindet sich der Standort am Kaiserplatz. Das auf die Spitze gestellte Dreieck verweist auf das Zeichen für die Gefangenen der Konzentrationslager.
Pizzeria Misurina
Von 1956 bis 1985 stand am Kaiserplatz in der Einmündung zur Kaiserstraße die „Pizzeria Misurina“. Sie war in einer der damaligen Holzbauten untergebracht und eine der ersten Pizzerien in Bonn.
siehe auch
- Kaiserhalle
- Kaiserpassage
- Kaiserstraße
- Kreuzkirche
- Kurfürstliches Schloss Bonn
- Mahnmal am Bonner Kaiserplatz
- Poppelsdorfer Allee
- Universitäts-Hauptgebäude
- Zentraler Omnibus-Bahnhof Bonn (ZOB)
Weblinks und Quellen

- „Kaiserplatz und Kaiserstatue”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57858-20121202-2 (Abgerufen: 10. September 2023)
- Rainer Selmann, Platz da! - Ein Blick in die Bonner Geschichte, Teil 5: Der Kaiserplatz, in: Schnüss 5/ 2026, S.8