Industrialisierung in Siegburg

Mit der Industrialisierung kam es zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch zu ersten Industrieansiedlungen in der Kreisstadt Siegburg, die aufgrund ihrer verkehrstechnisch günstigen Lage bereits 1856 einen ersten Bahnhof erhielt.
Bereits im Jahr 1840 war die Kattun-Druckerei und Färberei Rolffs & Cie. (Vorläufer des Sieg-Werks) von Köln nach Siegburg verlegt worden, wo sie der erste große Industriebetrieb war.
Die Eisenbahn war auch in Siegburg ein wesentlicher Faktor zur parallel einsetzenden Industrialisierung. Ab 1859 hielten die ersten Züge auf der Siegstrecke in Siegburg. Und durch die Agger- und Bröltalbahn kamen 1883/84 und 1899 weitere Siegburger Haltepunkte im Stadtteil Zange und an der Kronprizenstraße hinzu, wo ebenfalls repräsentative Bahnhofsbauten entstanden. Von der ehemaligen Trasse der Aggertalbahn existiert heute nur noch ein kleines Stück vor den Toren des Druckfarbenherstellers Siegwerk, der einst die Gleise nutzte.
Im Jahr 1875 wurde Siegburg dann zum Standort einer großen, reichseigenen Munitionsfabrik, der Königlich-Preußischen Geschoßfabrik und 1893 folgte die Eröffnung des Zweigwerks des Königlich-Preußischen Feuerwerkslaboratoriums.
Ebenfalls im 19. Jahrhundert entstand auch die Maschinenfabrik Krämer (später Prinz-Heinrich-Werk) in Siegburg, als bedeutender Hersteller für Holzbearbeitungsmaschinen und Eisengießerei. Der spätere Name geht zurück auf eine Autopanne, die Prinz Heinrich, Sohn von Kaiser Friedrich III. und Enkel von Kaiser Wilhelm I., im Jahre 1902 in Siegburg traf. In der Holzgassen-Werkstatt von Peter Wilhelm Kraemer wurde das Fahrzeug damals wieder in Ordnung gebracht. Später durfte Krämer seine expandierende Eisengießerei in der Hopfengartenstraße "Prinz Heinrich - Werk" nennen.
Die Königlich-Preußische Geschoßfabrik, wo Artilleriegeschosskörper gegossen wurden, siedelte sich seinerzeit „Am Haufeld" an und in 1893 wurde das Zweigwerk auf dem Brückberg eröffnet. Mit den neuen Arbeitsplätzen stieg die Einwohnerzahl in Siegburg von 4.000 auf 20.000. In den Fabriken sollen bis zu 30.000 Menschen gearbeitet haben.
Von der damaligen Expansionsphase zeugen im Stadtgebiet noch zahlreiche Straßen mit preußischer Namensgebung, wie Kronprinzenstraße, Elisabethstraße, Augustastraße, Luisenstraße, Kaiserstraße, Wilhelmstraße oder Kaiser-Wilhelm-Platz. Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Versailler Friedensvertrag mussten die Munitionsfabriken schließen, was zu einer hohen Arbeitslosigkeit führte.