Industrialisierung in Eitorf

Im Mittelalter ein Marktflecken, gewann Eitorf nach dem Anschluss an die Bahnlinie als Industriestandort im 19. Jahrhundert an Bedeutung. Die im Jahr 1859 eröffnete Siegtalbahn wurde ursprünglich als Teil der Deutz-Gießener Eisenbahn errichtet und verläuft von Köln-Deutz bis nach Siegen.
Auf einem historischen Rundgang durch Eitorf lässt sich der wirtschaftliche Aufschwung nachvollziehen – Fabrikantenvillen und bürgerliche Domizile säumen den Weg. Mitte des 19. Jahrhunderts – mit dem Bau der Siegtalstraße und der Eisenbahn – entwickelte sich Eitorf zum Industrieort mit Zigarrenfabriken, der Färberei von Julius Gauhe, oder der Kammgarnspinnerei.
Aber auch Bergbau wurde betrieben, wenn auch weniger erfolgreich. Erz, Silber und Kupfer wurden gewonnen und im Jahr 1901 waren immerhin noch 13 Gruben angemeldet.
Die Textilfabrikant Julius Gauhe (1835-1912, vollständig Johann Friedrich Julius) und sein Bruder Adolf Gauhe (1843-1916) betrieben in Eitorf zwischen 1873 und 1900 eine Fabrik zur synthetischen Produktion des Textil-Farbstoffs Alizarin. Im Jahr 1879 verlegten sie auch ihre Barmer Färberei Höstery & Gauhe nach Eitorf, die hier bis 1909 bestand. Auf eine Stiftung über 50.000 Goldmark von Julius Gauhe geht das Eitorfer St. Franziskus Krankenhaus zurück. Weiterhin hinterließ die Familie in der Gemeinde gleich mehrere villenartige Wohnbauten. Das prächtige Familiengrab befindet sich auf dem Alten Friedhof.
Die Woll-Fabrik Schoeller am Ort gehörte einst zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region. Im Jahr 1888 eröffnete auf dem Fabrikgelände der Färberei Gauhe in Eitorf der sächsische Industrielle Karl Schäfer eine Spinnerei. Attraktiv waren für die Produktion neben den billigen Arbeitskräften auch das Wasser der Sieg. Nach wechselhafter Geschichte übernahm im Jahr 1908 die Schoeller’sche Kammgarnspinnerei unter Arthur Schoeller die Aktienmehrheit.

Auch das Ziegelsteingebäude der ehemaligen Zigarrenfabrik von Reinhard Keysers, um 1900 errichtet, ist ein wichtiges Zeugnis der Eitorfer Industriegeschichte. Nachdem die Firma von Kleve nach Eitorf verlegt worden war, wurden hier zunächst etwa 50 Frauen und Mädchen beschäftigt, die offenbar die billigeren Arbeitskräfte waren und zudem geschickter bei dieser Tätigkeit. Nach der Jahrhundertwende waren es 120 Arbeitnehmerinnen, darunter nur drei Arbeiter. Schon im Ersten Weltkrieg und der Nachkriegszeit kam die Produktion vorübergehend zum Erliegen, bevor die Fabrik dann nach dem Zweiten Weltkrieg dem Konkurrenzdruck nicht länger standhalten konnte und in den 1950-er Jahren endgültig schließen musste. Heute befinden sich in dem Gebäude mit dem Park und der Fabrikantenvilla nebenan eine Galerie und ein Atelier.
In Eitorf stehen heute gleich mehrere traditionsreiche Industriestandorte vor dem Umbruch. Mit dem Projekt Talachse Eitorf will die Gemeinde - auch angesichts der schon erfolgten Werksschließungen - neue Perspektiven für Wirtschaft, Wohnen und Infrastruktur schaffen und bestehende ungenutzte Flächen entwickeln.
- vgl. dazu: ga.de vom 30. Januar 2026
Fabrikantenvillen
Im Jahr 1878 entstand die Villa Gauhe an der Eitorfer Parkstraße als wohl prächtigster und größter Privatbau in der Gemeinde. Die Villa liegt im Zentrum von Eitorf. Heute ist hier eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung untergebracht.
Als weiteres Beispiel der auf Selbstdarstellung ausgerichteten Bauweise gilt auch die Villa des Fabrikanten Adolph Gauhe (1843-1916), die im wilhelminischen Stil gegenüber dem Eitorfer Bahnhof entstand. Wie ein Schloss wirkt sie auch heute noch mit den Treppengiebeln und dem schlanken Turm. Nach dem Tod von Adolph Gauhe ging die Villa im Jahr 1936 in den Besitz der Fabrikantenfamilie Boge über, die das Haus als Wohn- und Firmensitz nutzte.
Ganz in der Nähe liegt das ehemalige Haus von Isabelle Gauhe (Am Kapellenhof 4), das ehemalige Gärtnerhaus der Villa Gauhe/ Boge).
siehe auch
- Eitorf
- Siegtalbahn
- Schoeller Eitorf
- Unkelmühle an der Sieg
- Villen des 19. Jahrhunderts in Eitorf
- Weco Pyrotechnische Fabrik GmbH
- ZF-Werk Eitorf (ehemals Boge)
Weblinks und Quellen
- „Villa Boge in Eitorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356001 (Abgerufen: 16. Februar 2026)