Zwangsarbeiter in Königswinter

In Königswinter waren während der Zeit des Nationalsozialismus mindestens 890 ausländische Zwangsarbeiter im Einsatz. Die Zwangsarbeit prägte das wirtschaftliche Leben der Region und fand in aller Öffentlichkeit statt.

Auch zur Geschichte der Lemmerzwerke gehört dieses dunkle Kapitel von Königswinter. In einem Schreiben der Lemmerz-Werke aus 1949 wurden auf eine Anfrage der Stadt Königswinter hin „ca. 80 französische Gefangene und ca. 150 Ostarbeiter“ genannt, die in nicht näher benannten „Kriegsgefangenen- und Arbeitslagern“ untergebracht waren.

Dennoch sind sowohl Unternehmensgründer Johann Lemmerz als auch sein bereits vor dem Krieg mit Leitungsaufgaben betrauter Sohn Paul bis heute Ehrenbürger der Stadt Königswinter. Und nach ihnen sind auch öffentliche Einrichtungen und Orte benannt – eine Schule, eine Straße und das Schwimmbad, das Paul Lemmerz nach dem Krieg stiftete.

Auch auf dem nahegelegenen Wintermühlenhof wurden ab November 1939 Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt.

Zur Erinnerung an die örtliche NS-Zwangsarbeit plant die Stadt einen zentralen Gedenkort am Ofelkaulenberg. Dort befand sich ab 1944 eine Rüstungsfabrik der Firma Aerostahl. Bislang gibt es an den Ofenkaulen eine Tafel, die über die Geschichte des Orts informiert, bisher aber nur nebenbei erwähnt, dass dort auch ein Zwangsarbeiterlager bestand.

Geschätzt 400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mussten von Sommer 1944 an für die Firma Aero-Stahl, die ursprünglich in Porz angesiedelt war, in den unterirdischen Ofenkaulen im Siebengebirge Einspritzpumpen für Flugzeugmotoren herstellen.

Sie arbeiteten unter katastrophalen Bedingungen in Zwölf-Stunden-Schichten in den nasskalten und dunklen Höhlen. Der ehemalige Bergwerksbereich weist mehrere Haupteingänge und zahlreiche Nebeneingänge auf. Im Hauptsystem können an den Wänden teilweise noch Betonverschalungen angetroffen werden, die aus der Naziszeit stammen. 1944 hatte das Ministerium für Rüstung und Kriegsproduktion unter dem Decknamen „Schlammpeitzger“ das große Stollensystem am Ofenkaulberg umbauen lassen, um dort kriegswichtige Rüstungsbetriebe unterzubringen. Gleichzeitig entstand oberhalb des Bergwerks ein Barackenlager für die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, das heute als eigenes Bodendenkmal LVR-ABR SU 225 eingetragen ist.

Im März 1945 wurde das Lager aufgelöst. Die Fabrikanlage wurde 1945 von den Amerikanern demontiert, Teile der Stollen wurden gesprengt und zugeschüttet.

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