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Industrialisierung in Troisdorf

Aus Bonn.wiki

Der wirtschaftliche Aufschwung im heutigen Troisdorf begann mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. 1815 kam das Rheinland zu Preußen und 1825 wurde mit dem Bau der Friedrich-Wilhelms-Hütte (später: Mannstaedt-Werke) begonnen, wo später zu „Wirtschaftswunderzeiten“ bis zu 6.000 Menschen arbeiteten. Schon 1825 gründete der ehemalige Leiter des Bergamtes in Bonn, Johann Wilhelm Windgassen (1779–1852), eine Eisenschmelze am Mühlengraben in der Nähe der Agger-Mündung in die Sieg, aus der sich im Laufe der Zeit auch der Troisdorfer Ortsteil Friedrich-Wilhelms-Hütte entwickelt.

Dem Eisenwerk im heutigen Stadtteil Friedrich-Wilhelms-Hütte folgte 1887 die Ansiedlung einer Zündhütchen- und Sprengkapselfabrik, später Dynamit Nobel AG. Bereits im Jahr 1900 beschäftigte die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-Gesellschaft in Troisdorf rund 1.600 Mitarbeiter.

Zu den größeren Troisdorfer Arbeitgebern gehört auch das 1911 gegründete Familienunternehmen Reifenhäuser, ein Maschinenbauer.

Geschichte

An den Mannstaedt-Werken im Troisdorfer Ortsteil Friedrich-Wilhelms-Hütte

Mit der Gründung einer Eisenhütte nahe der Sieg fing im heutigen Friedrich-Wilhelms-Hütte alles an. Johann Wilhelm Windgassen erhielt im Oktober 1825 die Genehmigung zum Bau und Betrieb der Eisenhütte. Deren erste Jahre standen indes unter keinem guten Stern, was ihr in den frühen Aufbaujahren auch den Beinamen „Pechhütte“ einbrachte. Nach Bankrott und Zwangsversteigerung übernahm Johann Jakob Langen aus der Kölner Zucker-Dynastie Pfeifer & Langen im Juli 1843 die Hütte bei Troisdorf und schaffte zusammen mit seinem Sohn Emil immerhin einen kurzen Aufschwung. In diese Zeit fiel auch der Bau des Troisdorfer Bahnhofs und dessen Anschluss an das Werk. Doch erst als Louis Mannstaedt die Unternehmensleitung übernahm, begann die Erfolgsgeschichte des Troisdorfer Unternehmens. Das Hüttenwerk an der Aggermündung in die Sieg, jenseits des heutigen Sankt Augustiner Stadtteils Menden, erwarb im Jahr 1911 die Mannstaedt AG aus Köln-Kalk und verlagerte hierher auch die gesamte Produktion des Façon-Werks Louis Mannstaedt und Cie. AG. Dieses Werk war bereits seit dem Ende des 19. Jahrhunderts führend in der Herstellung von Profileisen.

Häuser in der Schwarzen Kolonie in Friedrich-Wilhelms-Hütte

Unternehmer Louis Mannstaedt, der mit seinem Eisenwalzwerk von Köln-Kalk nach Troisdorf zog, wollte auch seine Mitarbeiter zum Umzug bewegen und schaffte Wohnsiedlungen, in denen die einfachen Arbeiter, die Vorarbeiter und die Büroangestellten Häuser und Gärten bekamen. So entstanden im Umfeld Werkssiedlungen, neben dem Kasino-Viertel insbesondere die Werkssiedlungen "Rote Kolonie" und "Schwarze Kolonie", je nach der Farbe der Dachziegeln, bis heute Zeugen jener Zeit.

Ab 1911 wurden die Häuser errichtet, die Louis Mannstaedt für Arbeiter neben einer riesigen Walzwerkhalle und nahe des Werks bauen ließ. Bald gehörten zum Betrieb zwei Walzwerke und diverse zusätzliche Produktionsanlagen wie eine Zement- und eine Schraubenfabrik.

Die Lage an der rechtsrheinischen Eisenbahnstrecke, an der Siegstrecke und an der Güterzugstrecke nach Speldorf machte Troisdorf in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch für andere Industrieunternehmen interessant. Im Jahr 1887 nahm die Rheinisch-Westfälische Sprengstoff-AG (RWS) unter ihrem Generaldirektor Emil Müller eine Zünderfabrik in Troisdorf (die Züfa) zur Herstellung von Zündhütchen und Sprengkapseln in Betrieb, die später ein Standort der Dynamit Nobel AG wurde, des einst größten Munitionsproduzenten der Welt. Die Dynamit Nobel AG hatte bis 2004 ihren Hauptsitz im heutigen Stadtteil Oberlar.

Literatur

Troisdorf - Ansicht aus der Roten Kolonie

siehe auch