In Röttgen stand einst das Jagdschloss „Herzogsfreude“ des Kurfürsten Clemens August. Der letzte und größte barocke Schlossbau des Kurfürsten wurde 1755 bis auf den Innenausbau fertig gestellt und sollte als Jagdschloss für die damals hoch angesehene Parforcejagd dienen. Doch der Prunkbau ist schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts verschwunden. Erst wurde er vom Nachfolger des Kurfürsten ausgeschlachtet. Dann wurde er während der französischen Besatzung bei einer öffentlichen Auktion versteigert und schließlich Ziegel für Ziegel abgetragen.

Die sternförmig in den Kottenforst führenden Wege sind dagegen bis heute erhalten geblieben, ebenso die Venantiuskapelle, die zur Hofkapelle des Jagdschlosses werden sollte.

Seit 1984 steht ein Modell des Jagdschlosses Herzogsfreude auf dem Schlossplatz in Röttgen, als kreisrundes Bronzerelief von Friedemann Sander rekonstruiert. Auf einer Tafel findet sich der Hinweis: „Jagdschloss Herzogsfreude vom Kölner Kurfürsten Clemens August zwischen 1753 und 1761 erbaut, ab 1804 vollständig abgerissen“.

Außer einigen Straßennamen wie „Schlossplatz“, „Kurfürstenplatz“ und „Herzogsfreudenweg“, finden sich als Überreste des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses noch Teile des ehemaligen Kellergewölbes unter einigen Privathäusern. Noch vorhanden ist in Röttgen auch die an der Reichsstraße gelegene Sankt-Venantius-Kapelle, die der Kurfürst einst errichten ließ.

Geschichte

 
Jägerhäuschen im Kottenforst.
Foto: Hans-Dieter Weber.

Im Jahr 1753 war mit dem Bau des Schlosses begonnen worden. Während Kurfürst Clemens August andere Schlösser wie die Bonner Residenz und das Poppelsdorfer Schloss von seinen Vorgängern übernommen hatte, war das Jagdschloss Herzogsfreude sein eigenes Projekt. Mit einer Länge von 70 Metern und 19 Fenster-Achsen (Hauptgebäude ohne Seitenflügel) war das Schloss zudem das größte, das von Clemens August in Auftrag gegeben wurde. Sternförmig strahlten die Alleen in alle Himmelsrichtung, in ihrem Zentrum stand Schloss Herzogsfreude. Eine Gelegenheit, um das Schloss zu beziehen, bekam der 1761 verstorbene Kurfürst aber nicht mehr.

Für den Dachdecker Peter Lander, der am 7. Juni 1804 bei der Versteigerung des Jagdschlosses den Zuschlag bekam, war es dagegen ein gutes Geschäft. Er erwarb „les restes du chateau des Roetgen“ auf Abbruch, nachdem der französische Staat während der französischen Besatzung Eigentümer des leerstehenden Schlosses worden war. 50 Jahre nach Grundsteinlegung und Baubeginn gingen im Jahr 1804 an den Bonner Dachdecker die Überreste des Schlosses für 3.500 Francs. Er verkaufte anschließend die bereits gebrannten Steine, die man damals zum Hausbau oder zur Straßenausbesserung nutzte, ebenso etwa die Balken, die Bodenbeläge, das Kupfer und die Rohre.

Sankt-Venantius-Kapelle

 
Venantiuskapelle in Röttgen -
Foto: Hans-Dieter Weber

Die Sankt-Venantius-Kapelle in Röttgen (Reichsstraße 28) wurde 1740 erbaut und ist das älteste Bauwerk am Ort. Bauherr war Kurfürst Clemens August, der die Kapelle noch vor dem Bau seines nahe gelegenen Jagdschlosses errichten ließ. Sie sollte die Hofkapelle des Jagdschlosses werden und bestand ursprünglich aus einem in Ziegelbauweise errichteten Kirchenschiff mit einem dreiseitigen Chor.

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