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Industrialisierung in Hennef

Aus Bonn.wiki
Eingang Meys Fabrik in Hennef

Der Zissendorfer Hof in Hennef (Siegfeldstraße 23) gilt als „Wiege der Hennefer Industrie“. Ursprünglich im Jahr 1644 als Hof des Klosters Zissendorf gegründet, entstand hier im 19. Jahrhundert eine erste Werkstatt von Carl Reuther, einem Industriepionier in Hennef. Dort stellte er für die damals vorwiegend bäuerliche Bevölkerung ab 1869 Maschinen für die Landwirtschaft in seiner Firma „Carl Reuther & Co. Landwirtschaftliche Maschinenfabrik“ her. Finanzielle Unterstützung fand er durch Peter Joseph Schmitz de Prée, der sich auch als Ratsmitglied große Verdienste um die Entwicklung von Hennef gemacht hat.

Drei frühere Meister der Carl Reuther Maschinenfabrik gründeten in der Folgezeit in Hennef eigene Unternehmen, 1878 der Schlossermeister Johann Steimel mit der Johan Steimel Maschinenfabrik, Johann Friedrich Jacobi mit der Joh. Fried. Jacobi Eisen- und Metallgießerei sowie Joseph Meys 1881 mit der Josef Meys Maschinenfabrik.

Im Jahr 1878 erfolgte die Gründung der „Johann Steimel Maschinenfabrik“ mit der Produktion landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte, später auch von Zentrifugen. Und Philipp Löhe gründete eine Firma, in der neben Fahrrädern und landwirtschaftlichen Maschinen besonders Waggons für die Bröltalbahn gebaut wurden. Es folgte im Jahr 1881 die Gründung der „Joseph Meys & Comp., G.m.b.H., Landwirtschaftliche Maschinenfabrik und Eisengießerei“ und 1881 begann der große Erfolg der Firma C. Reuther & Reisert mit der ersten eichfähigen Waage der Welt.

Zuvor lebte die Bevölkerung vorwiegend von der Landwirtschaft und vom Weinanbau, der in der Hennefer Region teilweise bis ins Mittelalter nachweisbar ist und an den waldfreien Südhängen der Sieg zwischen Weingartsgasse, Lauthausen, Bödingen und Blankenberg angebaut wurde. Das Handwerk, beispielsweise Webereien in Geistingen und Blankenberg, hatte dagegen nur eine untergeordnete Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war vorübergehend noch ein bescheidener Erzbergbau von Bedeutung. „Silber, Zink, Zinn und Eisen wurde in den Gruben Gottessegen bei Dambroich, Bergmannslust am Steimelsberg in Hennef, Altglück bei Hanfmühle, Silistria bei Kurenbach und Ziethen bei Weingartsgasse gefördert“, heißt es dazu in der „ Zeittafel der Hennefer Geschichte“ (siehe etwa auf: epflicht.ulb.uni-bonn.de/pdf).

Reuther, Reisert, Steimel, Löhe und Meys - die Namen stehen für Personen, die dann mit der industriellen Entwicklung Hennefs im 19. Jahrhundert eng verbunden sind. Dazu gehörte auch Johann Friedrich Jacobi, der im Jahr 1879 südlich der Eisenbahnstrecke auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei an der Beethovenstraße in Hennef eine Eisengießerei errichtete, wo später auch Landmaschinen hergestellt wurden.

Der Hennefer Bahnhof war im 19. Jahrhundert für die Hennefer Unternehmen von besonderer Bedeutung. Er befand sich nur wenige Meter von den Fabrikanlagen entfernt, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Hennef entstanden waren. Die kleine Schmalspurbahn, die Bröltalbahn, lag zudem parallel vor dem Bahnhof. Bereits ab 1863 verkehrte sie vom Bahnhofsvorplatz bis nach Ruppichteroth, nach dem Ausbau des Netzes auch bis nach Waldbröl, Asbach (Westerwald) und Beuel. Mit der Kleinbahn gingen die Güter nach Bonn-Beuel zur Staatsbahn. Von dort erfolgte der Weiterversand der Produkte. Der Personenverkehr auf der Kleinbahnstrecke endete 1956, während die Güterzüge die Strecke noch bis 1967 nutzten.

Dauerausstellung und Waagen-Wanderweg

Am ehem. Chronoswerk in Hennef

Besonders mit der Erfindung der „Chronos-Waage“ stieg Hennef zum Industriestandort auf.

Über die Geschichte, die Herstellung und die Entwicklung der Chronos-Waage informiert in Hennef die Waagen-Dauerausstellung „Gewichte, Waagen und Wägen im Wandel der Zeit“, die in der Meys Fabrik Hennef gezeigt wird.

Daran erinnert seit 2007 aber auch der Waagen-Wanderweg Hennef mit Start am historischen Rathaus, der auf 22 Schildern und Stationen die Entstehung der Waage erläutert aber auch Wissenswertes zur Stadt vermittelt.

Literatur

siehe auch