In Röttgen stand einst das Jagdschloss „Herzogsfreude“ des Kurfürsten Clemens August. Der letzte und größte barocke Schlossbau des Kurfürsten wurde 1755 bis auf den Innenausbau fertig gestellt und sollte als Jagdschloss für die damals hoch angesehene Parforcejagd dienen. Doch der Prunkbau ist schon seit Beginn des 19. Jahrhunderts verschwunden. Erst wurde er vom Nachfolger des Kurfürsten ausgeschlachtet. Dann wurde er während der französischen Besatzung bei einer öffentlichen Auktion versteigert und schließlich Ziegel für Ziegel abgetragen.

Modell des Jagdschlosses Herzogsfreude in Röttgen von Friedemann Sander

Das Herzstück des Areals befand sich im Bereich des heutigen Schlossplatzes, wo die sternförmig angelegten, schnurgeraden Alleen für die Jagd im Kottenforst zusammenliefen. Die sternförmig in den Kottenforst führenden Wege sind bis heute erhalten geblieben, ebenso die Venantiuskapelle, die zur Hofkapelle des Jagdschlosses werden sollte.

Seit 1984 steht ein Modell des Jagdschlosses Herzogsfreude auf dem Schlossplatz in Röttgen, als kreisrundes Bronzerelief von Friedemann Sander rekonstruiert. Auf einer Tafel findet sich der Hinweis: „Jagdschloss Herzogsfreude vom Kölner Kurfürsten Clemens August zwischen 1753 und 1761 erbaut, ab 1804 vollständig abgerissen“.

Historischer Jagdhundezwinger in Röttgen - später Gasthaus Stupp.

Eine Illustration von Johann Ziegler (1749-1812) zeigt die ehemaligen Ausmaße von Schloss Herzogsfreude, erschienen in »Fünfzig malerische Ansichten des Rhein-Stroms von Speyer bis Düsseldorf« - Artaria in Wien 1798: images.zeno.org/Kunstwerke/561s038a.jpg.

Außer einigen Straßennamen wie „Schlossplatz“, „Kurfürstenplatz“ und „Herzogsfreudenweg“, finden sich heute in Röttgen als Überreste des ehemaligen kurfürstlichen Schlosses noch Teile des ehemaligen Kellergewölbes unter einigen Privathäusern. Noch vorhanden ist in Röttgen auch die an der Reichsstraße gelegene Sankt-Venantius-Kapelle, die der Kurfürst einst errichten ließ. Die Kapelle wurde 1740 erbaut und ist das älteste Bauwerk in Röttgen. Die ursprüngliche Kapelle bestand aus einem in Ziegelbauweise errichteten Kirchenschiff mit einem dreiseitigen Chor. In den Jahren Jahr 1866 und 1937/38 kamen Erweiterungsbauten hinzu und zuletzt wurde ein Dachreiter mit geschweifter Haube aufgesetzt, der der Kirche sein heutiges Aussehen verleiht.

Überreste des ehemaligen Jagdschlosses finden sich heute vor dem Forstamt an der Flerzheimer Allee, wo sich eine Wetterfahne des Schlosses mit einem springenden Hirsch und der Jahreszahl 1756 findet.

Und erhalten geblieben ist am Röttgener Ortsausgang weiterhin das Gebäude des ehemaligen Gasthofs Stupp, einst das Wohnhaus des Hundemeisters Heinrich Vaasen (1706 - 1778), dem der Jagdhundezwinger unterstand. Ein schmiedeeisernes Gitter über dem Eingang mit den verschlungenen Initialen „CA“ trägt bis heute das kurfürstliche Ehrenzeichen. Rechts neben dem Wohnhaus des Hundemeisters lag der ehemalige Hundezwinger.

Geschichte

 
Jägerhäuschen im Kottenforst.
Foto: Hans-Dieter Weber.
 
Allee am Schlossplatz in Röttgen

Im Jahr 1753 war mit dem Bau des Schlosses begonnen worden. Während Kurfürst Clemens August andere Schlösser wie die Bonner Residenz und das Poppelsdorfer Schloss von seinen Vorgängern übernommen hatte, war das Jagdschloss Herzogsfreude sein eigenes Projekt.

Mit einer Länge von 70 Metern und 19 Fenster-Achsen (Hauptgebäude ohne Seitenflügel) war das Schloss zudem das größte, das von Clemens August in Auftrag gegeben wurde. Sternförmig strahlten die Alleen in alle Himmelsrichtung, in ihrem Zentrum stand Schloss Herzogsfreude. Eine Gelegenheit, um das Schloss zu beziehen, bekam der 1761 verstorbene Kurfürst aber nicht mehr. Das zwischen 1753 und 1761 errichtete Jagdschloss mit rund 100 Zimmern verfiel nach seinem Tod und wurde schließlich abgetragen.

Für den Dachdecker Peter Lander, der am 7. Juni 1804 bei der Versteigerung des Jagdschlosses den Zuschlag bekam, muss es dagegen ein gutes Geschäft gewesen sein. Er erwarb „les restes du chateau des Roetgen“ auf Abbruch, nachdem der französische Staat während der französischen Besatzung unter Napoléon Eigentümer des leerstehenden Schlosses geworden war. 50 Jahre nach Grundsteinlegung und Baubeginn gingen im Jahr 1804 an den Bonner Dachdecker die Überreste des Schlosses für 3.500 Francs. Er verkaufte anschließend die bereits gebrannten Steine, die man damals zum Hausbau oder zur Straßenausbesserung nutzte, ebenso etwa die Balken, die Bodenbeläge, das Kupfer und die Rohre.

Literatur

Sankt-Venantius-Kapelle

 
Venantiuskapelle in Röttgen -
Foto: Hans-Dieter Weber

Die Sankt-Venantius-Kapelle in Röttgen (Reichsstraße 28) wurde 1740 erbaut und ist das älteste Bauwerk am Ort. Bauherr war Kurfürst Clemens August, der die Kapelle noch vor dem Bau seines nahe gelegenen Jagdschlosses errichten ließ. Sie sollte die Hofkapelle des Jagdschlosses werden und bestand ursprünglich aus einem in Ziegelbauweise errichteten Kirchenschiff mit einem dreiseitigen Chor.

siehe auch

 
Tastmodell des Jagdschlosses Herzogsfreude auf dem Schlossplatz in Röttgen