Gierponte
Als „Gierponte“ wird die 1673 erstmals in Betrieb genommene "fliegende Brücke" zwischen Bonn und Beuel bezeichnet. Sie war eine Fähre über den Rhein, die von einem über dem Fluß verlaufenden Seil gehalten wurde. Die Strömung trieb die Fähre von Ufer zu Ufer. Dazu bewegte der Schiffer das Heckruder mit Muskelkraft gegen die Strömung. Das Seil der Fähre verhinderte ein Abtreiben.
- vgl. dazu: ga.de vom 25. Juli 2024

Ein bekannter Betreiber der Fähre war der Fährmeister Franz Joseph Heinrich Mehlem, in dessen Auftrag im 18. Jahrhundert an der heutigen Rheinaustraße das Mehlemsche Haus entstand. Ein Vorgängerbau hatte ein katastrophales Hochwasser nicht überstanden.
Im Bereich der Kennedybrücke erinnert heute die Uferbezeichnung „An der Gierponte“ auf Beueler Seite an die alte Fährverbindung nach Bonn an dieser Stelle. Die Straßenbezeichnung verweist damit nicht auf eine Brücke im klassischen Sinne, sondern auf diese Gierfähre über den Rhein, die früher als „Fliegende Brücke“ bezeichnet wurde.
Fast 200 Jahre dauerte es, bis hier das erste dampfmaschinengetriebene Fährschiff „Bonn" aus dem Jahr 1863 eingesetzt wurde. Der Volksmund hatte ihm den Beinamen "De Noßschaal" gegeben. Daran erinnert ein kleines Denkmal am Beueler Rheinufer - unmittelbar am Nepomuk-Denkmal. Weitere Dampfboote, die ab 1863 zum Einsatz kamen, waren die Fährschiffe „Verona“ und „Rheinland“.
Geschichte
Das „Fahr“, der regelmäßige Fährdienst zwischen Beuel und dem gegenüberliegendem Bonn, ist eine alte Einrichtung und war schon im frühen Mittelalter streng geordnet. Einst brachten die „Fährbeerbten“, die das Monopol der Überfahrt besaßen, auch zahlreiche Pilger und Reisende über den Rhein. Mitte des 10. Jahrhunderts (im Jahr 954) verlieh Kaiser Otto I. seinem Bruder Bruno, damals Erzbischof von Köln, das Fährrecht. Bruno wiederum gewährte Beueler und Bonner Schiffern die sogenannte „Fährgerechtsame“. Im Jahr 1325 erhielten 20 Fährschiffer vom Kölner Erzbischof das vererbbare Recht, die alleinige Beförderung von Menschen und Lasten zwischen "Durrebag" bei Oberkassel und "Alde Seyge" bei Mondorf durchzuführen.
Die erste Gierfähre (Gierponte) aus Eisen wurde am 7. August 1886 von der "Bonn-Beueler-Fähr-Actien-Gesellschaft" in Betrieb genommen. Sie verkehrte zwischen der Josefstraße in Bonn und der Beueler Anlegestelle am heutigen Weg „An der Gierponte“ am Beueler Rheinufer im Bereich Rheinaustraße/ Combahnstraße.
Mit der Einweihung der ersten festen Rheinbrücke in Bonn im Jahr 1898 gingen die alten Fährrechte auf die Stadt Bonn über. Die Fährfamilien, die ihre Existenz durch den Bau der Rheinbrücke verloren hatten, erhielten eine Abfindung.
siehe auch
Weblinks und Quellen
- Artikel im Bonner General-Anzeiger vom 2. September 2005: Selbst im Fährdienst gab es Schwarzfahrer
- Informationen auf virtuellesbrueckenhofmuseum.de
- Rainer Selmann, Rheinspaziert - Betrachtungen vom Ufer aus, (15) Eine fliegende Brücke, in: Schnüss 6/ 2022, S. 8
- Rainer Selmann, Rheinspaziert - Betrachtungen vom Ufer aus, (19) In anderen Fähren, in: Schnüss 11/ 2022, S. 8