Carl Reuther
Franz Carl Reuther wurde am 17. August 1834 als Sohn von Peter Reuther und Franziska Röttger auf dem Zissendorfer Hof in Hennef geboren.

Er gilt als Industriepionier und gründete im Jahr 1862 als Schlossermeister zunächst eine Werkstatt in seinem Elternhaus in Hennef. Dort stellte er für die damals vorwiegend bäuerliche Bevölkerung ab 1869 Maschinen für die Landwirtschaft in seiner Firma „Carl Reuther & Co. Landwirtschaftliche Maschinenfabrik“ her. Finanzielle Unterstützung fand er durch Peter Josef Schmitz de Prée, der sich auch als Ratsmitglied große Verdienste um die Entwicklung von Hennef gemacht hat.
Im Jahr 1881 gründete Reuther zusammen mit Eduard Reisert eine weitere Fabrik, aus der später die Chronos-Werke hervorgingen. Im Jahr 1883 erhielten sie das Patent für die von ihnen entwickelte erste eichfähige Waage, die weltbekannte „Chronos-Waage“.
Seinen Wohnsitz hatte er am Ort. Die Villa Reuther liegt in Hennef an der Frankfurter Straße 95. Das Gebäudeensemble im Zentrum der Stadt entstand nach den Plänen des Architekten Josef Bröhl und besteht aus einer Villa aus dem Ursprungsjahre 1826 mit dem ehemaligen Kutscherhaus aus 1900. Die Villa wurde im Jahre 1909 um einen Anbau erweitert.
In der Nachbarschaft liegt das frühere Verwaltungsgebäude der Maschinenfabrik Reuther & Reisert an der Frankfurter Straße 91, erbaut um das Jahr 1900 nach Plänen des Architekten Heinrich Kiefer.
Im Bröltal entstand zudem im Jahr 1892 die Villa „Haus Bröl“, die als Sommersitz der Familie Reuther genutzt wurde. Das zweigeschossige Gebäude, am Hang aus Grauwacke errichtet und im Obergeschoss turmartig ausgebaut, verfügt über Fachwerk-Erker sowie Buntverglasung. Die Giebelseiten im Renaissancestil sind mit Sandsteinschmuckformen versehen. Große Bäume umgeben das „Jagdschlösschen“. Rund um den parkartig gestalteten Garten befindet sich ein gusseisernen Zaun mit den originalen Tor- und Mauerpfeilern und oberhalb am Hang steht ein kleiner Gartenpavillon.
- vgl. dazu: Nadine Quadt, Das Jagdschlösschen sucht neue Besitzer, in: General-Anzeiger vom 11. Februar 2026
Carl Reuter starb 1902 und sein Sohn Wilhelm trat die Nachfolge an.
In Hennef ist nach Carl Reuther die Reutherstraße benannt.
Carl-Reuther-Berufskolleg
Carl Reuther stiftete der damaligen Gemeinde Hennef ein Grundstück für die Errichtung einer gewerblichen Fortbildungsstätte sowie nennenswerte Geldbeträge, woraus heute das Carl-Reuther-Berufskolleg des Rhein-Sieg-Kreises entstanden ist. In mehr als 40 Bildungsgängen werden dort heute Schülerinnen und Schüler ausgebildet.
Dauerausstellung und Waagen-Wanderweg
Mit der Erfindung der „Chronos-Waage“ stieg Hennef zum Industriestandort auf. Über die Geschichte, die Herstellung und die Entwicklung der Chronos-Waage informiert in Hennef die Waagen-Dauerausstellung „Gewichte, Waagen und Wägen im Wandel der Zeit“, die in der Meys Fabrik Hennef gezeigt wird.
Daran erinnert seit 2007 aber auch der Waagen-Wanderweg Hennef mit Start am historischen Rathaus, der auf 22 Schildern und Stationen die Entstehung der Waage erläutert aber auch Wissenswertes zur Stadt vermittelt.
Literatur
- Helmut Fischer: Carl Reuther (1834-1902), ein Lebensbild, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef, Band 5, 2011
- Helmut Fischer: Der Anfang der Industrialisierung in Hennef. Die C. Reuther & Co. Maschinenfabrik Hennef und ihre Fortführung, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef, Band 16, 2022
- Konrad J. Richter: Die Schule des Carl Reuther, in: Beiträge zur Geschichte der Stadt Hennef, Band 4, 2010