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Die Zeit der Franken

Aus Bonn.wiki
Fränkischer Grabstein in Niederdollendorf

Die Geschichte der Franken in Bonn ist ein wesentlicher Bestandteil der frühmittelalterlichen Geschichte des Rheinlands im Übergang von der römischen Antike zum Fränkischen Reich. Um das Jahr 475 besiedelten Franken das Gebiet und machten Bonn zu einem ihrer Siedlungszentren. Sie siedelten sich zunächst im alten römischen Legionslager an, das jetzt als „ca­s­trum Bon­na" (Bonn­burg) bezeichnet wurde. Die Bonnburg wurde Teil eines fränkischen Reichs beiderseits des Rheins.

Im heutigen Bonn war bereits im 4. Jahrhundert im Randbereich eine kleine Taufkirche, die Dietkirche (Volkskirche) entstanden. Wann sich die erste Gemeinde gründete, ist nicht überliefert. Aber spätestens in fränkischer Zeit entstand im Randbereich der Bonnburg eine kleine Taufkirche. Archäologen konnten die Grundmauern dieser Volkskirche in den 1970er-Jahren in einer Grünanlage an der Drususstraße freilegen und rekonstruieren. Ein weiterer christlicher Sakralbau im Bereich des heutigen Bonn entstand Ende des 4. Jahrhunderts unterhalb der Krypta der heutigen Münsterkirche.

In nahe gelegenen Niederdollendorf wurde im Jahr 1901 ein Grabstein aus dem 7. Jahrhundert gefunden, die sogenannte Grabstele von Niederdollendorf (auch: Fränkischer Grabstein von Niederdollendorf). Das Original des im Jahr 1901 auf dem Gelände der Didier-Werke gefundenen Grabsteins befindet sich im LVR-Landesmuseum Bonn. Eine Nachbildung steht seit 2016 vor dem Turm der evangelischen Kirche in Niederdollendorf (Friedenstraße 29). Die Grabstele zeigt auf einer Seite einen fränkischen Krieger mit seiner Ausrüstung, auf der andere Seite ist eine der frühesten germanischen Bildnisse von Jesus Christus zu sehen.

Merowinger

Als Merowinger wird das älteste bekannte Königsgeschlecht der Franken bezeichnet. Alltagskultur und Leben der Merowinger ab der Mitte des fünften Jahrhunderts bezeugen in der Region Bonn zahlreiche Grabstätten, beispielsweise im Bereich von Europaring und Wesselheideweg im heutigen Bonner Stadtbezirk Hardtberg, die dort im Zuge der Bebauung in den 1960-er Jahren bekannt wurden und untersucht werden konnten. Auf eine frühe Besiedelung weisen auf dem heutigen Bonner Stadtgebiet auch die am Fuß des Lyngsbergs zwischen Lannesdorf und Muffendorf im Jahr 1986 gefundenen merowingisch-fränkische Gräber mit wertvollen Beigaben hin.

Eine wissenschaftliche Arbeit aus 2004 umfasst mehr als einhundert Funde aus Bonn und dem Umland.

Während in der Region also schon eine Vielzahl an Gräbern und Gräberfeldern aus der Merowingerzeit bekannt waren, traten dann im September 2007 östlich des Mühlenbachs im Bereich des heutigen Bechlinghoven nicht nur weitere Funde aus dem 6. Jahrhundert zu Tage sondern auch Zeugnisse einer fortwährenden Besiedlung in diesem Bereich. Die Ausgrabungen belegen einen großflächig erschlossenen Siedlungsplatz aus dieser Zeit mit Lang- und Grubenhäusern, also mit ebenerdigen oder leicht in den Boden eingesenkten Gebäuden. In mehreren Grabungen wurden seit 2007 auf einem 17 Hektar großen Gelände zahlreiche Gebäudegrundrisse nachgewiesen, für die archäologische Forschung von herausragender Bedeutung.

Ein weiterer merowingerzeitlicher Fundort aus neuerer Zeit liegt auf dem Gelände der ehemaligen Zementfabrik in Ramersdorf. Hier wurden 2011 über 500 Bestattungen eines seit fast 100 Jahren bekannten Gräberfeldes aus der Merowingerzeit (6.-7. Jahrhundert nach Christus) ausgegraben.

Nicht weit entfernt fanden in den Jahren 2018 und 2019 die Ausgrabungen an der Niederkasseler Straße in Beuel statt, bei denen zahlreiche Objekte aus der Merowingerzeit entdeckt wurden. Bereits 1995 war man hier beim Anlegen eines Brunnens auf ein Grab aus der Merowingerzeit gestoßen. Zwischen 550 und 750 nach Christus haben an dieser Stelle Bestattungen stattgefunden. Dokumentiert wurden zunächst 120 Gräber mit rund 70 Grabbeigaben.

Mit der merowingischen Besiedlung im 6. Jahrhundert wurden auch bis heute bestehende Dörfer im heutigen Rhein-Sieg-Kreis gegründet. Als Beispiel gelten beispielweise Lülsdorf und Rheidt mit ihren merowingerzeitlichen Gräberfeldern.

Streiflichter und Einblicke

Rekonstruierte Grundmauern der ehemaligen Dietkirche in Bonn-Castell. - Foto: Hans-Dieter Weber.