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Kirche St. Maria und St. Clemens Schwarzrheindorf

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(Weitergeleitet von Kloster Schwarzrheindorf)
Doppelkirche in Schwarzrheindorf

Der Beueler Ortsteil Schwarzrheindorf hat mit der mittelalterlichen Doppelkirche ein architektonisches und kunstgeschichtliches Kleinod von herausragender Bedeutung zu bieten. Mit seiner detailreichen Fassadengestaltung und den aufwändigen Wand- und Gewölbemalereien, die im 19. und 20. Jahrhundert wiederentdeckt und restauriert wurden, stellt das Bauwerk ein besonderes Zeugnis romanischer Baukunst dar. Die Unterkirche ist – wohl aufgrund ihrer Nähe zum Rhein – dem Heiligen Clemens, dem Schutzpatron der Schifffahrt, geweiht, die Oberkirche der heiligen Maria.

Die Kirche schloss einst an ein befestigtes Hofgut an, das aus karolingischer Zeit stammte und im späten 11. Jahrhundert von den Grafen von Wied übernommen worden war.

Bauherr der Kirche mit kreuzförmigem Grundriss war Mitte des 12. Jahrhunderts kein Geringerer als Arnold von Wied (1098-1156), damals nicht nur designierter Erzbischof und Kurfürst von Köln sondern auch Reichskanzler König Konrads III. Die in Kreuzform errichtete Doppelkirche hat die Aachener Pfalzkapelle zum Vorbild. Ihre Weihe erfolgte am 24. April 1151. Einen Tag darauf wurde Arnold zum Erzbischof von Köln ernannt.

Der Erbauer der romanischen Doppelkirche in Schwarzrheindorf begründete mit der Kirche und dem zusätzlich angegliederten Kloster eine Bastion, die zusammen mit dem bereits im zehnten Jahrhundert gegründeten Stift Vilich für lange Zeit das Standbein kurkölnischer Herrschaft auf der rechten Rheinseite bildete.

Nach seinem Tod gründete Arnolds Schwester Hadwig hier ein Frauenklosters, das vom Benediktinerinnenkloster Nonnenwerth aus besiedelt wurde. Zu diesem Zweck wurde auch die Kirche konventsgerecht umgebaut; das Klostergebäude war um 1170 fertiggestellt.

  • Adresse: Dixstraße 41, 53225 Bonn

Bauwerk

An der Doppelkirche in Schwarzrheindorf

Die Doppelkirche wurde als Grabmonument angelegt, in dem der Stifter unter dem Kirchenraum nach seinem Tod begraben wurde. Dies erfolgte schon wenige Jahre später, als der Erzbischof im Jahr 1156 „wohl in Folge eines Sturzes bei einem Wettlauf am Ostertag“ in Xanten verstarb. Die Grabplatte von Arnold von Wied ist im Kirchenschiff als Bodenplatte eingelassen.

Unter Arnolds Schwester Hadwig, seit 1154 Äbtissin der Damenstifte Essen und Gerresheim, wandelten sich danach Burg und Kirche in ein Benediktinerinnenkloster. Die Grabkirche wurde zur Klosterkirche erklärt und erweitert.

Die offenbar schon im 9./ 10. Jahrhundert als befestigtes Hofgut entstandene Burg an der Doppelkirche wurde im Kölnischen Krieg zerstört.

Innenansicht der Doppelkirche in Schwarzrheindorf. -
Foto. Hans-Dieter Weber.

Das erhaltene Kirchengebäude dominiert ein mächtiger Vierungsturm. Für die Umwandlung in das Benediktinerinnenkloster wurden bauliche Veränderungen vorgenommen. So entstand im Obergeschoss ein langer geschlossener Emporenraum, der als Nonnenchor eingerichtet werden konnte.

Am ursprünglichen Zugang des Zentralbaus im Norden befindet sich ein geschmücktes Portal.

Im Kircheninnern verfügt die Kirche über eine zweite Etage mit einer achteckigen Öffnung in der Raummitte. Wahrscheinlich hat hier einst ein Thron für den Kaiser gestanden, der der Messe beiwohnen konnte, ohne sich unter das gemeine Volk begeben zu müssen. Während die Oberkirche der Gottesmutter Maria geweiht wurde, ist die Unterkirche dem Heiligen Clemens geweiht.

Die Kirchenräume verfügen beide über eine sehr gut erhaltene Ausmalung. Besucher/innen bewundern vor allem den größten zusammenhängenden Zyklus romanischer Wandmalereien über das Alte Testament in Deutschland. Dieser Zyklus und die Bauweise als Doppelkirche machen Sankt Klemens im Beueler Ortsteil Schwarzrheindorf zu einem der bedeutendsten Gotteshäuser der Romanik in Deutschland. Der Apsisturm ist mit alt- und neutestamentarischen Darstellungen ausgeschmückt.

Im Obergeschoss der Kirche befindet sich die nach ihrem Erbauer Johann Michael Stumm (1683-1774) benannte Orgel sowie der Taufstein, der ursprünglich im Erdgeschoss aufgestellt worden war.

Geschichte

Doppelkirche in Schwarzrheindorf. - Foto: Hans-Dieter Weber.

Am 24. April 1151 wurde die auf einer Anhöhe gelegene Kirche im Beisein von König Konrad III. geweiht, nach dem im Beueler Combahnviertel die Kaiser-Konrad-Straße benannt wurde, obwohl er „nur“ König war und nie zum Kaiser gekrönt wurde.

Arnold von Wieds Schwester Hedwig, beide sind in der Apsis der oberen Kapelle zu Füßen Christi zu sehen, wandelte nach dem Tod des Bruders am 14. Mai 1156 Burg und Kirche in ein Benediktinerinnenkloster um, daher stammt wahrscheinlich der Name Schwarzrheindorf nach dem schwarzen Habit der Benediktinerinnen. Später entstand aus dem Kloster ein "freiadlig-weltliches" Damenstift bevor das Stift zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgelöst und die Kirche vorübergehend profaniert wurde.

Nach der Besetzung Bonns im Jahr 1794 nutzten zunächst die französischen Revolutionstruppen die Gebäude des Damenstifts als Lazarett und die Kirche als Magazin, Pferdestall und Scheune. Im Jahr 1805 wurde das Stift im Zuge der Säkularisation endgültig aufgelöst und die verfallenen Stiftsgebäude abgerissen. In den folgenden Jahren wechselte die Kirche mehrfach den Besitzer, bevor Schwarzrheindorf dann nach dem Wiener Kongress 1814/15 unter die Herrschaft Preußens kam.

Preußen hatte die Kirche schon „auf Abriss“ an den Kölner Bankier Salomon Oppenheim jr. verkauft, als ein am 14. Oktober 1818 ein persönlicher Erlass des preußischen Staatskanzlers Karl August Fürst von Hardenberg an die Kölner Bezirksregierung erging, den Abriss dieses „Denkmals der byzantinischen Baukunst“ zu stoppen und den Verkauf rückgängig zu machen. Die anschließenden Verhandlungen zogen sich jahrelang hin, wobei Hof und Kirche schließlich am 1. August 1820 zurück an Preußen gingen.

Viele weitere Geschichten und Begebenheiten ranken sich um die Kirche mit ihren reichaltigen Malereien im Innern. Aus Napoleonischer Zeit ist überliefert, dass eine der Glocken aus der Doppelkirche mit Namen „Michael und Magdalena“ nach Mirecourt gelangte, der heutigen Beueler Partnerstadt. Pfarrer Jean Noel nahm Ende der 1950-er Jahre mit der hiesigen Gemeinde Kontakt auf und am 27. März 1965 konnte die Glocke wieder in Schwarzrheindorf in Empfang genommen werden, während in Mirecourt eine andere Glocke den frei gewordenen Platz einnahm.

Literatur

Ansicht

siehe auch

ViCo

Am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 10. September, wurde die Schwarzrheindorfer Doppelkirche erstmals im Bonner Haus der Geschichte, Willy-Brandt-Allee 14, als begehbare 3D-Welt präsentiert. Das zunächst für drei Jahre von der Stiftung für Innovation an der Hochschule geförderte Projekt Virtual Collaboration (kurz: „ViCo“) der Universität Bonn lud Interessierte ein, das digitale Modell der Doppelkirche St. Maria und St. Clemens mit 3D-Brillen zu „begehen“.

Virtueller Rundgang

Doppelkirche in Schwarzrheindorf