Mehlemsches Haus

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Das Mehlem’sche Haus (auch Haus Mehlem) an der Rheinaustraße in Beuel wurde als Palais im 18. Jahrhundert nahe des Rheinufers errichtet. Es gehört heute neben dem Fürstenbergischen Palais am Bonner Münsterplatz (Hauptpost) und dem Lippeschen Palais in Oberkassel zu den letzten barocken Patrizierhäusern in Bonn.

Mehlemsches Haus in Beuel mit dem nachträglich entstandenen zweigeschossigen Loggia-Anbau auf der Südseite.

Nach einer Lesart ist die nach dem Fährmeister Johannes Paul Mehlem benannte spätbarocke Villa am Beueler Rheinufer (unweit der heutigen Kennedybrücke) im Jahr 1785 unter seinem Sohn und Nachfolger, dem Fährmeister Franz Joseph Heinrich Mehlem erbaut worden. Denn der Vorgängerbau hatte ein katastrophales Hochwasser am 25. Februar 1784 nicht überstanden.

Nach anderer Darstellung wurde beim Jahrtausendhochwasser von 1784 nur ein Teil der Hofanlage weggespült, während das bereits 1750 unter dem Fährmann Johannes Paul Mehlem und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Stammel erbaute Wohnhaus stehen blieb.

Für die erste Sichtweise spricht, dass die Kellergewölbe des Hauses nicht recht zum heutigen Bauwerk passen, was auch zu erheblichen Setzrissen geführt haben soll. Dies könnte allerdings auch mit den Kellergewölben eines Bollwerks zu tun haben, des „Fort de Bourgogne“ (auch: Burgunder Fort), dass hier im Spanischen Erbfolgekrieg in 1701 entstand. Denn auch die Kellergewölbe des Mehlemschen Hauses stammen vom Burgunder Fort.

Weiterhin ist am südlichen Torbogen des Hauses die Jahreszahl 1785 zu lesen. Ebenso ist aber möglich, dass hier im Jahr 1785 allein die Wirtschaftsgebäude wieder aufgebaut worden sind. Sie sind heute nicht mehr erhalten.

Mehlemsches Haus in Beuel

Die große und stattliche Villa entstand jedenfalls auf dem ehemaligen Gelände der Beueler Schanze. Hier beherrschte das repräsentative, spätbarocke Haus Mehlem mit den beiden Toreinfahrten lange Zeit das Rheinpanorama von Beuel. Zum herrschaftlichen Haus gehörte ein rückseitig angelegter Park.

Eine Grabplatte vom alten Kirchhof in Vilich befindet sich heute an der Nordwand des Mehlemschen Hauses; der letzte Eintrag, unter dem Datum 1782 gilt „JOHANN PAVLVS MEHLEM. BRÜCKENMEISTER. 60 JAHR ALT.“, der das Fährgeschäft und die Bezeichnung von seinem Schwiegervater Leonhard Stammel übernommen hatte.

Um 1843 bezog Johann Wilhelm Windgassen, der Begründer der Friedrich-Wilhelms-Hütte, einer Eisenhütte bei Troisdorf, das Anwesen und lebte hier als Rentner bis zu seinem Tod. Im Jahr 1825 hatte der ehemalige Leiter des Bergamtes in Bonn eine Eisenschmelze am Mühlengraben in der Nähe der Agger-Mündung in die Sieg gegründet.

Zu den nachfolgenden Bewohnern des Mehlemschen Hauses gehörte auch August Wilhelm Andernach, Fabrikant einer Teerproduktionsanlage in Beuel, der Dachpappen-Fabrik Andernach.

Das erhaltene spätbarocke Hauptgebäude steht seit 1907 im Eigentum der Stadt Bonn und wird seit 1979 von der Musikschule der Stadt Bonn genutzt.

Die zuvor erfolgte Sanierung ist nicht zuletzt dem 1975 gegründeten Verein Haus Mehlem e. V. zu verdanken (aus dem später der Denkmal- und Geschichtsverein Bonn-Rechtsrheinisch e. V. entstand), eine kulturorientierte Bürgerinitiative, die sich erfolgreich für die Erhaltung des Hauses einsetzte.

  • Adresse: Mehlemsches Haus, Rheinaustraße 131, Bonn-Beuel

Literatur

 
Mehlemsches Haus in Beuel

siehe auch