Kaum ein Einheimischer verwendet diese amtliche Bezeichnung des Ortsteils nördlich der Godesberger City, für sie heißt die Gegend zwischen Burgviertel und Friesdorf ganz einfach „Bendel“.

Hier, auf einem früher ziemlich sumpfigem Gebiet, einem ehemaligen Rheinarm, ist in den letzten Jahrzehnten ein Gewerbegebiet entstanden, dessen Betriebe zum Teil ihre Produkte in alle Welt liefern. Bis auf alte Werkswohnungen und Arbeitersiedlungen sind Wohnraum und Einzelhandel im "Bendel" Mangelware.

Der Durchgangsverkehr ist dank des Godesberger Tunnel, an den der Ort im Jahre 2005 einen eigenen Tunnelanschluss erhielt, stark gesunken. In Godesberg-Nord gibt es keinen Ortsausschuss.

Godesberger Industrie

Bürgermeister Anton Dengler setzte ab 1888 auf Kurgäste und reiche Pensionäre. Meist am Stadtrand gab es aber einst auch rund 80 Industriebetriebe in Godesberg, darunter die Ringsdorffwerke in Lannesdorf (seit 1992 SGL Carbon und GKN Sintermetals) oder im Godesberger Norden die 1929 gegründete Firma Boge & Sohn KG an der Friesdorfer Straße, die 1933 ein Patent auf Flüssigkeitsstoßdämpfer erwarb. Nach und nach gingen seinerzeit auch Gebäude der ehemaligen Ziegelei Brenig in das Eigentum der Firma Boge über.

Streng genommen beginnt die Industriegeschichte im Godesberger Norden bereits am Lokal der Lindenwirtin. Schräg dahinter befand sich die ehemalige Konsumgenossenschaft mit ihrem preiswerten Lebensmittelangebot und daran anschließend entstand ab 1899 das Industriegebiet Nord rund um die Friesdorfer Straße, bis zur Eingemeindung von Mehlem und Lannesdorf das einzige offizielle Gewerbegebiet in der Gemeinde Godesberg, später auch mit Anschluss an den 1913 eröffneten Güterbahnhof. Nach einem eher von Handwerksbetrieben geprägten Viertel begann das eigentliche Industriegebiet etwa an der Ecke Weißenburgstraße. In einem roten Backsteinhaus (an der Friesdorfer Straße 54 - 1895 erbaut) war ein Heim für Handwerksgesellen untergebracht.

Die alteingesessene Gießerei Stolle war als Maschinenfabrik und Eisengießerei bis 2021 im Godesberger Industriegebiet vertreten und produziert in Bonn noch heute unter anderem Gussplatten am Standort in Beuel. Andere Unternehmen sind längst vom Markt verschwunden. In den ehemaligen Schillerwerken wurden ab Ende des 19. Jahrhunderts Konservendosen, Kronkorken und andere Blechartikel hergestellt, bevor das Unternehmen 1925 geschlossen wurde. Und die 1905 gegründete Firma „Godesia“, bei Godesbergern einst besser als "Et Badeöfje" bekannt, stellte Badeöfen und Wannen her, war im Zweiten Weltkrieg ein Rüstungsbetrieb und wurde im Jahr 1966 stillgelegt. Neben den Schillerwerken wurden Süßwaren hergestellt, bevor das Unternehmen Kleutgen & Meier im Jahr 1957 von dem benachbarten Konkurrenten Haribo übernommen wurde. Der kritisierte Abriss des historischen Fabrikgebäudes an der Friesdorfer Str. 127 - 135 erfolgte im Jahr 2012.

In die ehemalige Seifen- und Schraubenfabrik Goebel (gegründet 1915) zog 1928 die Firma Diedenhofen ein. Dort wurden unter anderem die berühmten Rheila-Perlen produziert. 1971 übernahm Dolorgiet die Produktion und das Unternehmen zog weiter nach Sankt Augustin.

Zu nennen ist schließlich eine ganz besondere Motorradmarke, die einst aus Bad Godesberg kam. Rolf Schroeder, Inhaber der Bad Godesberger Maschinenfabrik, übernahm 1926 die "K.M.B. - Kölner Motorrad- und Maschinenbau“ und verlegte die Produktion nach Bad Godesberg. Die Motorräder der Marke "Imperia" zeichneten sich durch sportliches Temperament und kunstvolle Maßarbeit aus und im Werk an der Friesdorfer Straße 155 wurden tausende Motorräder gefertigt, bevor die Produktion im Jahr 1935 eingestellt wurde.

  • vgl. dazu:
    • Artikel im Bonner General-Anzeiger vom 14. Mai 2013: Imperia-Motorräder und Rheila-Perlen
    • Artikel im Bonner General-Anzeiger vom 28. März 2014: Industrie im Badeort
    • Horst Heidermann, Die Entwicklung der Industrie in dem Badeort Godesberg, Herausgeber: Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, 2014

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Weblinks und Quellen